21-05-06-CoTaBu- Junge Mutter so dröge – Fallkonferenz + Wiedersehen
Besuch von Johanna mit ihrer einige Wochen alten Tochter Nora. Sie wollte ihr Schaukellama mit Wuschelfell und Satteldecke abholen, das sie zur Geburt bekommen (und auch gewünscht) hatte. Sie brachte, wie immer, was Leckeres mit. Das Baby ist zuckersüß und schon so busy! Strampelt und rackert und lacht auch zurück, wenn man Maske trägt. Die Mutter ist schon immer ziemlich fad, langweilig und ausdrucksarm. Sie als Mutter zu erleben war ernüchternd. Ich nahm überhaupt keine Resonanz auf das Baby wahr, aber auch auf das Lama (um das sich bei uns schon alles dreht, wir alle waren aufgeregt und begeistert) reagierte sie so doof, dass Gregor und ich uns hinterher darüber austauschten. Ab 17:00 Zoom-Konferenz: eine retrospektive Fallbesprechung von DGP und Psychiatrie. Eine junge Frau (19- bis 29-jährig) mit 10-jähriger psychiatrischer Krankengeschichte, Anorexie, Persönlichkeitsstörung, mit 15 Suizidversuchen, der letzte ist „geglückt“. Ein Albtraum an Ambivalenzen, Zwangsmaßnahmen, und am Ende die Frage, hätte es eine Überschneidung Richtung Palliativ gegeben, hätte man an irgendeiner Stelle anders handeln können!? – Dann erst bin ich zu Michael gegangen und habe Jakob wiedergesehen. Wie das so ist im dreißigsten Jahr: die ersten feinen Fältchen erscheinen um die Augen, ein ganz besonderer Moment im Leben! Er ist sehr schlank, um nicht zu sagen mager. Ich finde ihn sehr hübsch. Wir haben zusammen gegessen und drei Stunden angeregt geredet. Morgen kommt er zum Frühstück, dann sind wir zusammen hier am Werk. Die Frage, ob er entscheidet, wo er sein wird? Klar entscheidet er. Und ja, das bringt ihn in eine Bredouille. Es gibt keine ideale Lösung. Aber so kommt er wie und wann er will, kann sich auch hier ausbreiten, auch mal hier schlafen, aber wir geraten nicht aneinander. Es läuft unter Corona- Sicherheitsabstand.
Vielleicht hat die junge Mutter zusätzlich zu ihrer eh schon drögen Art eine postnatalen Depression, kommt relativ oft vor. Schaukellama ist herrlich. Das scheint ein guter Auftakt mit dir und Jakob gewesen zu sein. Ich kann ihn mir gut vorstellen, wie du ihn beschreibst.
Die postnatale Depression war mein erster Gedanke. Wielang kann die gehen? Und wäre sie so vordergründig und offenkundig? Da sie ja sonst auch so unglaublich langweilig ist könnte das natürlich der Sache die Krone aufsetzen. Mir tut das Kind so leid! Es hat in mir sämtliche Triebe geweckt. – Und ja, Jakob! Mein Herz.
Selbst in der Schwangerschaft hatte ich nicht das Gefühl, dass sie in Verbindung zu ihrem Kind steht. So ganz anders als die andere junge Kollegin.
OH, das ist eine traurige Beobachtung! Ich habe sie wenig gesehen und bin natürlich oft merkwürdig berührt von ihrem Wesen. Vielleicht ist es vorher UND nachher und außerdem: wie steht es mit der Verbindung zu sich selbst, zu ihrem gegenüber, zu Welt überhaupt?
Schön, dass das Wiedersehen mit Jakob so harmonisch war! Auch, dass Ihr Euch so lange ausgetauscht habt am ersten Tag. Dann wohnt er grundsätzlich bei Michael und vielleicht übernachtet er auch mal bei Dir? Klingt entspannt!