21-05-12-CoTaBu-Kranke Sonja, was die Gruppe sagt + Abschiedsfrühstück

Ich versuche, nach diesen prachtvollen Tagen den Regen willkommen zu heißen. Ich werde heute später gehen. Gestern abend Gruppe, (heute wieder), bei der ich das Unglück der Wenigen erfasst habe, die da waren. Wie sie leiden, dem Geist unseres Hauses nachtrauern und jetzt mit einer neuen Generation von Pflegenden die Patienten zwar sicher gut versorgt sehen, die aber ihnen gegenüber noch nicht den richtigen Ton gefunden hat. Dazu der totale Mangel an „Geist“, an Spiritualität. Es scheint ihnen derzeit alles nur noch als Gerippe des Einstigen. Später kam Jakob zu einem ausgiebigen Abendessen zu mir. Wir haben uns wirklich wunderbar unterhalten. Diese „Ansprüche“ an mich haben die andere, gute Seite, dass es kaum Flachland gibt; es geht immer um ETWAS, es ist nie banal. Nichts Eingestanztes, keine Worthülsen, keine Phrasen, das gefällt mir schon. Es sind Gespräche, die dieses Wort verdienen. Ein sehr schöner Abend. Jetzt bin ich am Start zum Semmeln holen; werde zu einem letzten Frühstück bei Michael antreten, nehme vorsichtshalber ein Stück Zeitung mit, weil Michael zwischendurch zur Blutabnahme muss, Jakob wahrscheinlich noch ein wenig packt. Dann geht`s zum Bahnhof (Abfahrt 11:00 nach Berlin), im Anschluss Abstriche holen und dann ins Hospiz. Was wir Sonja verheimlichen – sie ist krank, macht sich deshalb restlos kaputt – zumal wir eine Aufnahme haben. Dem Sohn der Patientin, offenbar an kräftig pulsierender Nabelschnur, war unvorstellbar, seine Mutter allein im Sanka transportieren zu lassen, will diesen in rasender Eile überholen und schon bei uns warten. Und es wird ihm keine Sonja beflissen, einfühlend, überbesorgt, entgegeneilen, sondern die Pforte wird leer sein. Ihn habe ich darauf vorbereitet, Sonja weiß es nicht. Gregor ist auch kurz drüben im Provinzialat, es könnte also zum Äußersten kommen, nämlich, dass er klingeln muss!

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4 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Das Fehlen des Geistes erinnert mich ein bisschen an das Kinderzentrum, wie es früher war. Da waren die Pioniere wie Hellbrügge, Papousek etc, die den Geist der Sozialpädiatrie verbreitet haben und alle haben ihn gespürt und weiter gegeben. Die jungen Ärzte und Psychos sind

    • Heike sagt:

      Mit diesem Hinweis kann ich viel anfangen. Ja, die Pioniere….solche haben wir auch, selbst wenn sie schon unter der Erde sind wie Cicily Saunders, Pater Iblaker usw. Da fällt mir ein: ist es nicht auch so, dass bei bahnbrechenden therapeutischen Verfahren die Urheber die wirksamsten sind, dann kommt noch die Generation derer, die von ihnen ausgebildet wurden und ja, dann geht`s langsam dahin…Sehr wichtiger Gedanke!

  2. Ines sagt:

    Ups, jetzt hat mich das Programm rausgeschmissen, bevor ich fertig war. Also die Neuen sind gut ausgebildet, aber haben nicht den Geist der frühen Pioniere. Gibt es bei euch denn jetzt gerade einen Generationenwechsel? Wann kannst du deinen Beitrag zur Spiritualität dort wieder leisten? Gut, dass die Gruppe wieder statt finden konnte. Und Jakobs Besuch war scheinbar wirklich richtig gut für euch beide.

  3. Renate sagt:

    Wie gut ich die verstehen kann, die schon lange im Hospiz arbeiten. Jetzt scheint es anders zu werden. Geist und Spiritualität kehren hoffentlich wieder ein, denn Beides hat dieses Haus zu dem gemacht was es heute ist.

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