Vater, Frisör, Schwabing
Heute ist der erste von 13 freien Tagen. Eigentlich wären wir jetzt schon auf unserem Campingplatz in Italien, Ca Savio. Durch das kalte und nasse Wetter, was in Italien auch nicht viel besser ist, finde ich es jetzt ok, hier zu sein. Wir werden abwechselnd in München und Schliersee sein, und das Beste daraus machen. Nach dem Yoga habe ich heute eine Stunde mit meinem Vater telefoniert, der sehr gut klang. Er muss sich, wie er sagt, eine neue eigenen Struktur schaffen, nachdem meine Mutter nicht mehr bei ihm lebt. Früher hat er sich ganz nach ihrem Tagesablauf gerichtet, vom Aufstehen angefangen. Jetzt muss er selber schauen, wann er aufsteht, was er isst und wann er etwas für sich macht. Bis jetzt sind die Tage für ihn aber noch prall gefüllt mit Erledigungen, die mit dem Auszug meiner Mutter zu tun haben, Pflegebett und einiges Geliehenes abholen lassen, Ablagen sortieren, Therapeuten umorganisieren, etc. Aber schon jetzt ist eine Erleichterung bei ihm spürbar. Er ist sicher, dass sie mit dem Heim die richtige Entscheidung getroffen haben und war auch ganz positiv angetan gegenüber den Heimmitarbeitern. Die Mitbewohner kann man aber leider alles vergessen. Die Stimmung bei Tisch ist wohl ziemlich gruselig, weil keiner redet und alle vor sich hin starren. Einmal hatte er dabei gesessen, aber man hat ihm zu verstehen gegeben, dass er nicht erwünscht ist. Jetzt geht er immer vor dem Abendessen wieder nach Hause, wenn er meine Mutter besucht. Ansonsten war ich heute schon wieder beim Friseur, das letzte Mal ist erst 7 Wochen her, aber die Haare waren doch sehr kaputt. Danach war ich in meiner alten Hood in Schwabing spazieren. Leider war bei dem Regen die Freude über die Öffnung der Außengastronomie sehr gering, bzw. niemand hatte Lust sich auf die bereitgestellten Stühle zu setzen. Da ich schon mal in Schwabing war, bin ich noch zur Münchner Freiheit gewandert und hab mir bei Karstadt ein paar Oberteile gekauft. Gähnende Leere dort und es wirkte etwas trostlos, weil die Ware zum Teil nicht ausgepackt war und vieles von letztem Jahr herum hing, was keiner mehr will.
Das sind wirklich komische Leute im Heim deiner Mutter, wenn dein Vater unerwünscht ist. Mir ging es bei Kaufhof ähnlich, da gab’s auch viel Ramsch. Freitag soll es nicht regnen, da geht im Außenbereich was.
Dass man schon wieder in ein Kaufhaus gehen kann wusste ich nicht und es ist völlig außerhalb meiner Welt! Die Sache mit Heim sehe ich wirklich recht positiv. Gemeinsame Mahlzeiten allerdings sind aus meiner Wahrnehmung der absolute Horror und ich würde gar nicht erst damit anfangen, wenn man auch im Zimmer essen darf . Für deinen Vater auch eine gewaltige Umstellung.