21-05-16-CoTaBu-Umwälzung innen und außen anhand von Lesestoffen

Es sollte mir fernliegen, wie eine 17-Jährige auf dem Grund meiner Empfindungen zu wühlen. Etwas aber fällt mir wie Schuppen von den Augen. Nachdem ich mich wochenlang in Gregors ausgelesener ZEIT verloren habe, von einem zum nächsten „unbedingt notwendigen“ Artikel schlingernd, zufällig der Neigung nicht selbst gewählter Denker überlassen, um Dinge zu erfahren, mit denen ich normalerweise nicht in Berührung komme, habe ich gestern Nacht in meiner Not wieder zu Malina gegriffen. Nun ist das wahrlich keine erbauliche Lektüre. Aber es ist, wie wenn ich seelisch Anker geworfen hätte; als hätte mich meine lebensnotwendige Lesegewohnheit eine Zeit lang verlassen und jetzt werde ich mit einem Buch in der Hand wieder ich selber. Alles Papier, Buchstaben, Gedanken anderer Menschen. Dennoch sind da Welten dazwischen. Nachts fiel mir ein: dieses Regal über Simons Bett will ja gefüllt werden. Welche Not löst das bei mir aus! Ich habe soviele Orte für Bücher: Das Wohnzimmer mit den Regalen rechts und links der Balkontür. Das große Stringregal, das kleine über der Heizung. Im „Schlafbüro“ noch eins überm Bett, zwei Lolloregale; ich muss ja im Kopf behalten, wo ich was finde! Da sind in meinem „neuen“ Zimmer Bücher teils von Simon, ein Rest von Peter, teils „allgemein“. Wenn es ganz mein Zimmer werden soll, welche Bücher gehören dann dahin? Welche Umschichtung muss ich vornehmen, um zur Ruhe zu kommen? Michael sagte gestern seiner Mutter: Das wird ein reines FRAUEN-ZIMMER. Das fand ich cool. Soll ich nur Frauenbücher rübertun? Nur „meine“ Dichterinnen? Das muss ich mir gut überlegen. Will ich die Männer-Dichter woanders? Rilke, Hölderlin, Hofmannsthal. Claudius, Heine, Ringelnatz, Mörike…die kann ich doch nicht in andere Räume verbannen! Muss es Dichtung sein, oder gilt auch „Wahrheit“? „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten…“ Jetzt ahne ich, welcher Art diese Rat- und Orientierungslosigkeit ist!

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3 Antworten

  1. Beate sagt:

    Mir fällt es auch sehr schwer, eine gute Ordnung in meine diversen Regale zu bringen und zusätzlich noch eine Ordnung im Bücherregal selbst zu schaffen. Sachgebiet/Alphabet/Lieblingsbücher usw. schnell entsteht ein Durcheinander. Aber Eines passiert mir immer, wenn ich vor den Regalen stehe: Eine große Freude über all das, was ich gelesen habe und immer wieder lesen kann. Freunde in Papiergestalt. Ein Schatz

  2. Ines sagt:

    Das sind sehr gute Lösungen, die aus deinem Unbewussten an dich heran getreten sind. Zum Einen statt Zeitung wieder ein Buch zu lesen und die Regale im Simon-Zimmer nach Genre und evt auch Geschlecht zu bestücken. Viel Erfolg und Inspiration beim Einräumen.

  3. Renate sagt:

    Das Frauen-Zimmer finde ich besonders gelungen. Ich bin gespannt welche Art von Zimmer es noch geben, wird in deiner Wohnung. Das Zeitung lesen dich zerfleddert und ein Buch dich wieder in die Mitte bringt, ist mir einleuchtend. Das konnte ich heute im Gespräch mit dir deutlich für mich selbst erkennen.

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