21-05-19-CoTaBu-Pfingstbesuch und Paradies für atemnötige Raucher

Jeden Tag freu ich mich über die Güsse, wenn dann die Sonne wieder durchbricht. Zum drittenmal ein Regenbogen! Ich bin heute bei unheilvollem Himmel heimgelaufen, wurde erst auf den letzten Metern nass. Habe im Hospiz nach Süßem gesucht, das sprach sich herum; da servierte mir Isabella ein Stück Kuchen mit Kaffee. Hab mich so gefreut! Heute starb nicht der, auf den wir die ganze Zeit warten, sondern jemand anders. Der, für den ich auf den nächsten Platz gehofft habe, der seiner Frau und dem Harlachinger Arzt schon zugesagt war, ist jetzt nicht mehr verlegbar. Stattdessen kommt jemand mit Lungenkrebs und COPD, hochdosiert Sauerstoff, CADD-Pumpe UND Perfusor. Das Wichtigste: dass er „nicht eingesperrt ist“, wieder ein Selbstbestimmer, einsamer Wolf, Eigenbrötler, von dem sich alle abgewandt haben oder umgekehrt; die Musikanlage und ein Fernseher mit 125 cm Diagonalmaß. Atemnot bis zum Erstickungsanfall, dazu Sauerstoff und RAUCHEN nach Herzenslust. „Ich will ja leben“, sagt er. Das bedeutet ständige Vorsicht, denn Schmerz- und andere Medikamente benebeln den Geist, da fällt die glühende Zigarette gern ins Bett; manche rauchen auch mit Sauerstoffbrille im Gesicht: höchste Explosions- und Brandgefahr; KEINER sieht seine Einschränkungen selber ein! Dann habe ich heute an alle PatientInnen meine Pfingstpost ausgetragen. Ich hatte wunderbare Begegnungen und mich gleich für nächste Woche verabredet. Jetzt muss ich nur noch Gregor überzeugen, dass ab sofort wieder Andacht stattfinden muss. Heute hätte ich gleich die Kapelle gefüllt. Dass mein Besuch thematisch (Bild plus Gebet) auf Pfingsten ausgerichtet war verschaffte den Damen gleich Zugang zu ihren eigenen spirituellen Themen. – Das Zoomsingen ging in die Hose. Dagmar hat sich entschuldigt und bietet zur Entschädigung ein Lieblingslied an.

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4 Antworten

  1. Beate sagt:

    Es ist schon schrecklich, was die Sucht zu rauchen für Gesichter haben kann. Pfingsten steht vor der Tür und Du gestaltest es wieder mit Post und Andacht. Ein Schimmer von Freude und Hoffnung für die Patienten

  2. Ines sagt:

    Unfassbar, dass dieser Mensch scheinbar im Zimmer in seinem Bett rauchen darf, das kann ich kaum glauben. Ein Raucherparadies, wahrlich. Es wäre so schön, wenn du wieder Andachten machen kannst.

    • Heike sagt:

      So ist es nicht: er muss dann immer rausgebracht werden. Im Zimmer hatten wir jahrelang. Dann stinkt es im ganzen Haus und es muss nach jedem „Auszug“ gestrichen werden. Es war einfacher als jetzt; rein und raus, hoch und runter, abstöpseln, wegen Sauerstoff auf der Hut sein. Und bei den Starkrauchern dreht sich alles, aber auch alles um die nächste Zigarette. Das ist Lebensqualität. Für Nichtraucherinnen in der Pflege eine Zumutung, die dann wegen der Erstickungsanfälle parat stehen müssen. Das stößt an Toleranzgrenzen.

  3. Renate sagt:

    Ich will ja leben! Für einen starken Raucher ist das anscheinend der Inbegriff von Leben. Für mich schwer nachzuvollziehen. Hoffentlich kannst du mit den Andachten beginnen, damit wieder Geist und Spiritualität einkehren.

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