21-05-22-CoTaBu- Was gestern mit alten Träumen zu tun hatte + Putztag
Ich habe Beate erzählt, wovon ich früher mit Heide träumte. Wenn Fabian groß wäre, wollten wir zusammen nach Afrika reisen. Fabian wurde groß, aber es kamen Simon und Jakob. Dann Lorenz. Wir haben uns ausgemalt, dass eines Tages eine bei der anderen abends vorbeischauen und ausruhen würde. Es sollte ein Leben nach den Kindern für uns geben, das hatte was von „Freiheit“. Dieser Traum ist aus. Gestern hatte ich das plötzlich mit Beate, es hatte was von Zurückschauen, Bilanz ziehen, neuer Gegenwart im Älterwerden auf Basis von Jahrzehnten. Bestimmte Dinge vollbracht haben. Nicht dieses Gefühl von „alles dahin“ und Vergeblichkeit, diese Schuld- und Ungenügenheitsgefühle, wie sie mich derzeit heimsuchen, eher milder. Als würde sich etwas auf andere Art erfüllen. – Heute Putzsamstag. Früh ausgiebiger Spaziergang mit Michael im frischgewaschenen, zwitschernden Nymphenburger Park mit wenigen Küken, Frühstück bei Michael. Nachmittags Aufräummarathon, 17:00 Barbara eingelassen. Während sie hier wienerte zu Michi geflüchtet; ausgiebig mit seinem Dauermieter geratscht, der von Dr. Wegener vor 3,5 Jahren „für drei Monate“ untergebracht wurde. Ein ehemaliger Klassenkamerad und Studienkollege von ihm und seiner Frau; ein zahnloser, intellektueller, etwas verrückter Clochard (einen von der Sorte hat Michael meist), obdachlos, mit pinseldünnem Rattenschwänzchen bis zum Gürtel, der mit Cowboyhut spazierengeht; absoluter Aussteiger, der Michael wohl bleibt solang das Haus besteht. Corona hat manchem Unternehmen den Todesstoß verpasst (wie auch der Teestube/ Pündtnerplatz). Ob die Pension Lutz nochmal zu neuem Leben erwacht steht in den Sternen. – Abends Frischs „Graf Öderland“ mit dem bemerkenswerten Thiemo Strutzenberger angeschaut; soeben anhand eines Dokumentarfilms meine Meinung über Udo Lindenberg revidiert.
Es ist immer noch Zeit zu träumen. Der eine Traum geht, ein anderer kommt. Oder soll es besser beim träumen bleiben? Michaels Pension wird Corona doch überleben? Die Teestube wäre wahrscheinlich auch ohne Pandemie eingegangen.
Die Träume von gestern haben sich überlebt noch bevor sie ausgelebt werden könnten. Marokko war das einzige Land auf dem afrikanischen Kontinent, das ich je bereist habe. So fremd und faszinierend wie ich es damals vor 40 Jahren erlebt habe, ist es heute sicher bei weitem nicht mehr. ich hoffe sehr für Michael, dass die Pension Lutz überleben wird! in der Teestube waren schon vor Corona stets sehr wenige Gäste- das mag am schlechte Essen gelegen haben, aber die Teekarte war außergewöhnlich toll. Und die Atmosphäre dort habe ich auch sehr gemocht
Am schlechten Essen, der immergleichen Dr. Oettger-Backmischung und der Übellaunigkeit des Betreibers. Aber einzigartig, diese in der Hippiezeit mit der Omanostalgie wie stehengebliebene Zeit!
Einfach vorbei kommen und sich beieinander ausruhen, das war ein schöner und möglicher Traum von dir und Heide. Mit Beate ist etwas davon aufgelebt bei eurem Treffen. Ich hoffe sehr, dass die Pension Corona überlebt. Darf sie denn nicht schon wieder öffnen?