21-05-27-CoTaBu- Steuerschikane löst Retraumatisierung aus

Einzelheiten einer bestimmten Zeit werden anhand von Kontoauszügen lebendig. Ich weiß nicht, was für ein Unmensch mir im Finanzamt zugeteilt ist. Jetzt soll ich die Details zu Simons Beerdigung und zum Nachlass nachweisen (diese Pflicht habe ich bereits letztes Jahr erfüllt, bereits da wurde nochmal nachgehakt). Alljährlich gehe ich zum Jahreswechsel für das vorvergangene Jahr zum Steuerberater. Wieder wird nachgefasst. Mehr als drei Jahre „danach“ muss ich wieder alles ans Licht zerren. Michael war hier und fand, wir sollten gleich loslegen; er sah ja, was gleich los war mit mir. Ich glaubte alle Kontoauszüge entsorgt, dem war nicht so. Da bei mir nichts chronologisch abgelegt ist mussten wir alles durchforsten. So erstand jeder Tag VORHER und NACHHER vor Augen, in der Grippephase VORHER die Booklookerbestellungen, meine Dichterinnen, dann Flug Hamburg; Übernachtungen, Blumen, Trostwerk; Essen; Blumen; wieder Hamburg. Feier Trostwerk, Abschied hier, Überführung; Städtische Friedhöfe, Aetas, Villa Dante, Gärtner. Ich war nur noch am Weinen, Michael entfuhren diese Seufzer, beide brauchten wir Tavor. Die Rechnungen selber soll ich zeigen. Die finde ich nicht mehr, habe sie bestimmt irgendwo ganz kostbar versteckt. Notarurkunde. „Erbe“. Könnte der Tod meines Sohnes als willkommene Gelegenheit für einen Steuerbetrug gedient haben? Gab es bei 3,600€ Erbschaft etwas zu hinterziehen (einen Betrag hatte ich ihm höchstpersönlich kurz vorher überwiesen, der ging notariell zu je 1/2 an Jakob und mich)? Nachts immer wieder aufgestanden, morgens weitergesucht. Ich hebe ja alles auf. Bloß wo? Mein Impuls wäre, diese Frau anzurufen und zu fragen, was sie eigentlich für ein Mensch ist. Michael rät mir davon ab. Diese Konzentration? Im zweiten Jahr? Eine Schikane rund um einen Tod? Ist sie krank im Kopf? Ich bin aufgelöst. Nicht in Kontoauszügen, aber in alle Zellen eingeschrieben: Anruf. Bettinas Mann Flugkapitän. Grölende Feiergesellschaft im Flugzeug. Klinikum Eppendorf, Schlüssel, der klemmt. Raum- und Körpertemperatur; Geruch. Gerichtsmedizin. Schublade. Vater Unser. Der erste Mond.

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4 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Das ist ja fürchterlich. Die Retraumatisierung spiegelt sich in deinem Beitrag allzudeutlich wider. Ich verstehe gar nicht, wieso du nach 3 Jahren die Belege vorzeigen musst, wenn es jetzt um das Jahr 2019 geht. Du Ärmste.

  2. Beate sagt:

    Es ist ganz schrecklich, was Du erzählst. Steuergeschichten können allein schon Weinkrämpfe auslösen. Aber anlässlich des Nachhakens vom Finanzamt zu Simons Beerdigung furchtbar belastend. Hättest du das gewusst, du hättest sicher auf die paar Kröten verzichtet

    • Heike sagt:

      Du kannst auch den Tod selbst nicht unterschlagen, wirst ja nach deinen Kindern befragt. Das Finanzamt will ales wissen. Was der Steuerberater mit meinen Angaben und Belegen macht, das überlasse ich ihm ganz allein.

  3. Renate sagt:

    Es ist so zum kotzen. Unfassbar diese Büokraten, wegen ein paar Euro. Das verstehe wer will, ich kann es nicht begreifen, zumal du doch beim Steuerberater warst. Ich darf gar nicht an die großen Fische denken, die unbeschadet davongekommen.

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