21-06-13-CoTaBu-Chamäleonartig, Gras hüfthoch und Oper weiblich

Wie leicht irritierbar ich bin habe ich auf Beates Kommentar zu Judith Hermann gemerkt. In einer Schublade mit Juli Zeh? Dabei habe ich Letztere noch nie gelesen. J.H. war für mich „Literatur“; ich kannte nur „Sommerhaus. Später“ – welch schwebende Atmosphäre sie mit Worten schaffen konnte. Allerdings: Jedesmal, wenn ich mich auf Literaturtipps über Kulturzeit oder DLF einlasse, ist es ein Reinfall. Diesmal fand ich es lohnend, aber nach Beates Bemerkung war die Luft raus. Immerhin wohltuend, innerhalb kurzer Zeit mal wieder etwas am Stück gelesen zu haben. Gestern bei Michael in eine FAZ geschaut. Was müssen die alles wissen und v.a. produzieren, um es in Riesenartikeln zur Schau zu stellen, so anstrengend! – Heute vor dem Frühstück im Nymphi mit Reh, Fröschequaken, üppigem Grün und Wiesen hüfthoch und höher. Das sieht man erst seit der notwendige Schutz der Lebensräume von Insekten im Bewusstsein angekommen ist. Erneut fielen mir die unterschiedlichsten Körpersprachen der JoggerInnen auf. Apropos Körpersprache. Gestern Abend „Cosi fan tutte“ auf 3SAT angeschaut unter der Leitung einer Joana Mallwitz – wie Tag und Nacht zu männlichen Dirigenten, wie Ausdruckstanz! Eine körperliche Höchstleistung (das ist es bei Männern sicher auch, ich habe nur noch nie darauf geachtet), dazu die Gesichts- und Augensprache, ein Wunderwerk an Kommunikation. Zwinkern, Aufmuntern, mit Blicken Beifall klatschen, mit Ellbogen grüßen – Wertschätzung als Führungsstil. Auch die Inszenierung – das alberne Verwirrpossenspiel – modern und witzig; der Gesang bildete köstlich das Klischee weiblicher Falschheit ab. Ich bin über den Moment hinaus begeistert. So herrlich gesungen und gespielt! – Jetzt gehe ich in mich.

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2 Antworten

  1. Ines sagt:

    Wow! Toll, deine Beschreibung der Oper mit der weiblichen Dirigentin. Das hätte ich mir anschauen sollen. Juli Zeh ist nicht so trivial wie du vielleicht denkst.

  2. Beate sagt:

    Oh je, das klingt danach, dass mein Kommentar Dich komplett abgetörnt hat. Tut mir leid! Juli Zeh war zwar noch nie meine Lieblingsautorin, aber sie besticht für meine Begriffe mit messerscharfen, sehr intelligenten Analysen in ihren Romanen, ist weit davon entfernt, banale Literatur abtzliefern

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