21-07-04-CoTaBu-Schmetternd bei Glitzer und Corona: russischer Abend

Heute sieht es bedrohlich aus. Was tun? Getränke bei Michael, Kuchen hier. Abwarten. Mein Abend mit der 79-jährigen Monika, die Mitglied im „Russischen Club MIR“ ist, war zweigeteilt. Im angeblich auf 25 Personen reduzierten Zuschauerraum waren bei Weitem nicht 1,50m eingehalten. Die Masken fielen nach und nach. Ich glaube, „MIR“ dient Exilrussen und am russischen Kulturgut Interessierten als Hort geistiger Erbauung. Mein bisher erstes und letztes Mal war kurz vor Corona; damals Briefwechsel Rilke, Pasternak und Zwetajewa. Gestern: Prokofjew zum 130. Geburtstag. Zwei Moderatoren, diesmal nur deutsch (in Gegensatz zum letzten Mal). Ein Herr in roter Hose mit Orangenhemd wechselweise mit einer Dame in Rosa, wohl aus Funk und Fernsehen bekannt: Sie rezitierten aus dem Leben, u.a. in Zitaten, Gedichten bzw. Passagen aus Libretti. Selten wurde Biografisches so anregend nahegebracht. Wie in einem Zirkus oder Kindertheater durchmaß der bunte Herr den Raum und kündigte schmetternd die musikalischen Darbietungen an. Eine zarte Pianistin, mal mit, mal ohne Cello oder Geige. Ein anderer Pianist begleitete mal eine Art Balaleika, mal einen pompösen Bariton, mal eine halbnackte, inbrünstige Mezzosopranistin in Glitterspaghettikleid. Das Publikum durchmischt, von der 90-Jährigen im kecken Minirock, aus dem die welken Beine stakten über viel Glitzer, Hochsteckfrisuren, einmal gar mit auf Scheitel drapiertem Blumenbouquet. Die Künstler allesamt Preisträger renommierter Wettbewerbe, von höchster Qualität. Alle Beteiligten brennen für die Sache. Unterhaltsam, gefühlvoll, abwechsungsreich, skurril, dazu das bezaubernde Ambiente. Hinterher war`s echt doof. Monika hatte Hunger und wollte „nur schnell um die Ecke noch was schnabulieren“. Wir landeten hässlich Ecke Leopoldsraße, bekamen natürlich nur einen Platz drinnen, wurden schlecht bedient und Fußball tönte von Leinwänden. Bei Mc Donald wären wir besser aufgehoben gewesen. Den Heimweg mit dem Fahrrad gegen 22:00 habe ich ausgesprochen genossen und kam bei Tröpfelregen an.

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2 Antworten

  1. Ines sagt:

    Herrlich, wie du den russischen Abend beschreibst. Wie in einem Wimmelbild sehe ich die Figuren vor mir. Was es alles gibt, Paralleluniversen, von denen ich noch niemals gehört habe. Wirklich skurril. Schade, dass der Abend nicht so glitzernd endete, wenn Mc Donalds sogar die bessere Altenative gewesen wäre. Das will was heißen.

  2. Beate sagt:

    ich fühle mich erinnert an die wunderbaren Abende in der Reithalle und dort die Russendisco . Das war eines der Highlights von unserer Schulfreundin Dagmar Wels, die die Reithalle jahrzehntelang betrieb. Erst las Kaminer, dann wurden die Stühle beiseite gestellt, ein russischer Zeichentrickfilm auf der Leinwand, alle tanzten. Die russische Community Münchens schwang das Tanzbein, das Leben war bunt.

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