21-07-09-CoTaBu-Ein Scheißtag mit Nachhang und ein total verplantes WE

Heute bin ich verdrießlich. Langsam hat es genug geregnet. Gerade bricht die Sonne durch die Wolken, ein ungewisser, vorübergehender Zustand. Wie im Märchen. Das ersehnte Wasser, dessen Mangel endlos beklagt wurde – jetzt hört es nicht mehr auf. Gestern hat sich Sonja mal wieder weinend abgewandt. Langsam habe ich die endlosen Beschwörungen, dass alles wunderbar ist und wie ich es schätze, satt. Ich bin so bedient, dass ich darüber nachsinne, vorzeitig auszuscheiden. Anlass – schreibe ich indiskreter Weise: dass ich nicht vollen Herzens für Renate, die am Montag wieder zur Vertretung kommt, die Aufnahme im Voraus vorbereiten wollte, weil ich (vorsichtigst) sagte, sie könne das, nachdem sie es fünfzehn Jahre gemacht hat. Wir könnten Sonja dann ja eine Whatsapp schicken. Dieser „Spaß“ brachte die Kacke zum Dampfen, die seit dem Vorfall vor zwei Wochen – wie ich fälschlich glaubte – hinlänglich immer wieder durchgekaut, für mich befriedet war. Mein Modell „Schwamm drüber“ und mich sorglos und fröhlich zu geben, bis es wirklich aus der Welt ist, funktioniert nicht. Jetzt ist bei mir vorerst der Ofen aus. So eine Überempfindlichkeit ist Terror, der zu pausenloser Habachtstellung zwingt. Gleichzeitig war Monika zu Besuch, die immer wieder reinkam und nicht spürte, dass es gerade nicht passt. Sie wollte dann mit mir alleine reden, wir schlossen die Tür. Sonja in ihrer Paranoia musste denken, jetzt geht es über sie her, Monika, manipulativ wie immer, versuchte, etwas herauszukitzeln, was nicht gelang. Ein miserabler Tag, der mir schwer nachhängt. – In der Seidlvilla habe ich kürzlich ein Büchlein von Marlen Haushofer mitgenommen, von einer „glücklichen Kindheit“. Was nehmen die Leute eigentlich wahr? Ich lese die wenig erbauliche Perspektive eines einsamen, unverstandenen Kindes mit ausgeprägtem Störungsbild (aggressiv, autoaggressiv, schutzlos ihren Sinneseindrücken ausgeliefert). Die „Lese“ mit Beate heute haut auch nicht hin. Viel zu viel vor die Tage bei mir. Alles Mist. – Gott sei Dank wenigstens noch telefonisch miteinander gründlich gelacht.

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2 Antworten

  1. Ines sagt:

    Telefonisch gründlich zusammen lachen find ich toll. Echt vertrackt, die Situation mit Sonja. Schwamm drüber funktioniert selten, aber dauernd wieder denselben Konflikt durchdiskutieren ist auch doof. Was bleibt? Vielleicht mal eine dritte Person hinzuzuiehen?

  2. Renate sagt:

    Wir haben sehr lange darüber gesprochen. Dass du dich ständig verbiegen musst um ja nicht ins Fettnäpfchen zu treten, kann es auch nicht sein. Supervision, wie du und Herr Linnemann überlegt habt, kann vielleicht helfen. Ob Herr E. der richtige Supervisor ist???

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