21-07-24-CoTaBu-Im Innenhof bei Alexandra-leseeinsam + tatenlos

Heute hätte ich gern gewagt, mal wieder morgens schwimmen zu gehen. Ein Risiko, weil die Blasenentzündung einfach nicht ganz weggeht. Ich versuche es weiterhin ohne Antibiotika, hab aber Angst, sie zu verschleppen und chronisch werden zu lassen. Schwimmen, sofort abtrocknen und umziehen, keinen Moment zögern, ob das geht? Ich will nicht den ganzen Sommer ausfallen lassen. Jetzt hat Michael tatsächlich Gäste; muss ihnen sogar Frühstück auftischen, was lange außer Reichweite lag und so können wir nicht. Allein gehen – kommt mir adhoc schreibend in den Sinn – wie lang habe ich das nicht gemacht!? Wäre eine Variante. Jetzt, da der Sturm bei ihm vorbei ist muss er zu Muttern, die durchdreht. Wir treffen uns nachher. – Das Alter (in dem Fall der Eltern) war auch gestern bei Alexandra ein Thema. Zunehmend finde ich, dass man sich davor wirklich fürchten muss. Ich bin noch ganz in Gedanken dort. Wir saßen – verschwörerisch mehr flüsternd als redend, schlemmend –  im Innenhof ihrer Praxis, der wohl sonst ganz ungenutzt ist – offenbar zum Wohlgefallen anderer Hausbewohner und angrenzender Nachbarn, die freudig im Vorübergehen beim Abstellen ihrer Fahrräder grüßten oder vom Balkon des Nachbarhauses winkten. Welch freundliche Verhältnisse, von denen Alexandra umgeben ist! Wir begannen früher als sonst und kamen gottlob nicht endlos spät nach Hause. Es war dicht wie immer, so unterschiedlich wir auch im Leben stehen. Kostbare Jahre der Verbundenheit. – Wie geschmeidig die Verbindung zum Ostbahnhof ist wusste ich nicht mehr, ich war immer umsteigenderweise unterwegs gewesen. Der Heimweg ernüchternd. Laute Musik in der Tram, plötzlich knallte etwas und Bier schäumte durch den Mittelgang. Der Fahrer, offenbar schalldicht hinter Glas, reagierte nicht. – Ich bin faul und tatenlos. Leider fühle ich mich leseeinsam. Bin mit meiner Marlen Haushofer, dem Zufallsfund aus der Seidlvilla, ganz allein. Gestern habe ich lesend so gelitten, dass mir alles wehtat – regelrechter Herzschmerz.

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3 Antworten

  1. Ines sagt:

    Was wohl leseeinsam bedeutet? Vielleicht möchtest du das, was du liest, gleich mit jemandem teilen? Ich hoffe, du kannst Bedürfnis nach Schwimmen und deine Blase unter einen Hut bringen. Alleine Schwimmen gehen wäre eine Erfahrung.

    • Heike sagt:

      Ja, das heißt es. Michael sagt, so ist das doch mit lesen. Gregor sagt, das sei doch gerade das Schöne. Ich hab mich die Tage regelrecht nach meiner Mutter gesehnt….ist das nicht furchtbar. Der einzige Mensch im Leben, mit der das Lesen keine Grenzen kannte. Und später mit Ingo einige Jahre.

  2. Renate sagt:

    Gäste verhindern euren gemeinsamen Morgenschwumm. Das Thema Alter begegnet mir auch ständig, es war auch gestern Thema von Anna und mir. Schlimm dass dein besonderer Tag in der Tram so enden musste.

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