21-08-05-CoTaBu-Alles schläft, ein-sam wacht + Vorspiel einer Entlassung

Bine schreibt zufrieden von Lüftlmalerei- und Wildkräuterführung, will die Zelte vorerst gar nicht abbrechen. Je weiter sie weg ist, desto näher wird sie mir wieder. – Heute wollte ich mich neuerlich nützlich machen. „Meine“ Patientin von gestern – heute schläfrig und abgeschlagen; die ich alternativ mit Essen versorgen hätte können schlief wie ein Stein. So habe ich die verwaiste Station bewacht, in der sich nichts regte; ließ mich auf dem Massagestuhl durchwalken. Mal wieder haben wir jemanden, den wir nicht behalten können. Es ist mit drei Medikamentengaben pro Tag getan; er kann sich selber lagern, nichts Auffälliges. Wie immer gibt sich die Familie erst kooperativ, wenn es um Gespräche über Alternativen geht; dann kommt es doch dicke. Telefonat gestern mit Tochter. Familiengespräch heute von ihr vertagt auf Dienstag. Stattdessen tauchte der Sohn auf. Langes Gespräch, bei dem mir im Stillen der Kamm schwoll. Statt Familiengespräch jetzt lauter Einzel: Tochter, Sohn. Patient plus Ehefrau – wollen keim Heim, auch nicht nach Hause, sondern Griechenland. Ich kenne mich ja sicher aus, ob ich das mit Behörden und Krankenkasse regeln könne. Nein, kann ich nicht; das ist dann Privatsache. Kurz darauf Anruf des bisherigen Hausarztes, wie es bei uns zu dieser Einschätzung kam – freundlich und kooperativ. Er spricht morgen die Tochter, die sich erbost: wir hätten doch die Befunde gekannt. Dass zwischen Befund und Zustand manchmal Welten liegen konnte er ihr klarmachen. Ich fresse einen Besen, wenn ich ausgerechnet bei ihr diese Eventualitäten nicht vorab angesprochen haben sollte. Dass die Krankenkasse nicht 14.000€ bezahlt, um jemandem ein blankes Bett ohne Notwendigkeit aufwändiger Pflege zur Verfügung zu stellen, dass wir für die da sind, die niemand anders „kann“, das muss schwer zu verstehen sein. Ebenso die Tatsache, dass ein Familiengespräch genau den Sinn gehabt hätte, eben nicht mit jedem Einzelnen Gespräche ähnlicher Inhalte führen zu müssen.

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2 Antworten

  1. Ines sagt:

    Unglaublich, dass dieser Patient es überhaupt geschafft hat, im Hospiz aufgenommen zu werden. Und jetzt also Griechenland, Frau Forster, da können Sie uns sicher helfen. Ich kann mir vorstellen, wie dich das aufgeregt hat.

  2. Renate sagt:

    Den wichtigen Satz, wenn sich der Zustand über längere Zeit auf niedrigem Niveau stabilisiert, kann es auch zu einer Entlassung kommen, hast du sicher gesagt. Was sich die Leute immer vorstellen, eine Reise nach Griechenland, von dir arrangiert. Heim sicher nicht, das kostet und wenn ein Hospizplatz 14.000,00 € kostet, who cares, sie zahlen es nicht.

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