Es regnete so stark…
dass wir beide vorhin durchnässt nach Hause kamen, Ines und ich. Die Tage mit ihr waren intensiv und gefüllt mit Gesprächen, Erinnerungen. Sie sagte einmal, wir waren doch von Anfang an wie Schwestern. Na ja, sie hat ja schon drei…Vielleicht ist es mir so wichtig, denn die Familie meines Vaters war mir immer zugetan. Wenn ich mütterlicherseits als „Schwarzes Schaf“ bezeichnet und behandelt wurde, erfuhr ich der großen Familie väterlicherseits stets Wertschätzung, erinnert man sich noch heute daran, dass ich so schön zeichnen und malen konnte und so unterhaltsam gewesen sei. Die Leukämie, unter der Ines seit drei Jahren leidet, tut das ihre dazu, dass mir die Stunden mit ihr kostbar sind. Jürgen sitzt dabei, etwas „draußen“ und zurückhaltend, sehr sympathisch. ich lag bei den Unternehmungen auch goldrichtig. Valentinmusäum (Ines hatte sich schon lange für Karl Valentin interessiert); Stadtführung und Buchheimmuseum mit Spaziergang am Seeufer. Das Grab meiner Eltern haben wir besucht und Blümchen niedergelegt. Nächstes Jahr wollen wir nach Schönbrunn fahren, wo unsere Väter aufgewachsen sind. Ines war dort schon öfter, ich noch nie
Das klingt, als sei es jetzt vorbei? Ich kann mich nicht erinnern, dass du „als Kind“ von ihr gesprochen hättest, erst später. Ich kann das mit den Erinnerungen nachvollziehen; es gibt bei mir nur noch Bine, die ich fragen könnte und sie erinnert sich „an nichts“. Alle anderen aus der Ursprungsfamilie sind tot. Kostbar, wenn bei dir noch ein Zweig blüht, wenn auch – so schwer krank – womöglich nicht mehr ewig.
Es ist ein großes Glück jemand zu haben, der sich miterinnert. Die eigenen Erinnerungen sind manchmal nicht sehr zuverlässig. Da wird das Schöne und Gute oft vergessen und es bleibt das Ungute, Bittere. Hoffentlich kann deine Cousine dir noch viel erzählen und mit dir nach Schönbrunn fahren.