21-09-05-Geisterhaus bei Kloster Holzen, wieder ein Tod am Wasser + „der Knall“
Als ich heute von Kloster Holzen zurückkam erwarteten mich Anrufe von Dodo. Friedel, ein ehemaliger Klassenkamerad, für Dodo mehr als das – ist gestorben. Wieder ein Tod am Wasser (beim Erlernen irgendeiner hippen neuen Wassersportart). Wieder streifte mich, in dem Fall uns, neben Erschütterung der Gedanke, was einem bei so einem Tod erspart bleibt. Mögen alle Jungfrauen im Himmel auf ihn warten, die er auf Erden nicht mehr erwischt hat! – Michael hat mich begleitet, Monika in den Gefilden ihrer Kindheit zu treffen. In dieser drögen Landschaft zwischen Augsburg und Donauwörth ein Paradies mit Wiesen, Kühen, Pferden, Bächlein. Auch durften wir mit ihr ein Familienhaus betreten, das einen Leibl beherbergt. Es ist das Zeugnis eines Familienzustandes, der einstigem Adeligsein nachtrauernd alles aufbewahrt, was diesem Stand zugehörte, ohne sich von irgendwas zu trennen, ohne es aber auch zu pflegen – ein verwahrlostes Geisterhaus. Von allen Wänden blickten Ahnen auf uns herab; Staub lag fingerdick auf Folianten; auf keinem der ehemals edlen Fauteuils hätte man Platz nehmen mögen. Eine kostbare Rumpelkammer, in die der Hausherr, ein Münchner Rechtsanwalt, jedes WE Einzug hält. Draußen wilder Garten mit Obstbäumen. Die Fenster fehlen teilweise, sodass sich auf den Herrlichkeiten mancher Vogelschiss findet. Auch die Familiengruft in der Klosterkirche mit mumifizierten Gerippen der Vorfahren durfte ich bestaunen. – Was mir auffällt: Dadurch, dass ich wenig „unternehme“, lebt alles stark in mir nach. Heute las ich morgens wieder in den Briefauszügen, blätterte in einem anderen van-Gogh-Büchlein. Da dämmerte mir mit zwei Tagen Verzögerung, was es mit Beates beschriebenem Knall am Schluss der Präsentation auf sich hatte (bei dem alle zusammenzuckten und die Raben aufflogen): „Weizenfeld mit Raben“ soll sein letztes Bild gewesen sein. Der Knall war also der Schuss, mit dem er seinem Leben ein Ende setzte und dem er zwei Tage später erlag.
Männer in diesem Alter sollten das Wasser wohl besser meiden. Andererseits wird ihnen das Alt- und Krankwerden erspart. Was für ein gespenstisches Haus du da beschreibst, es kommt mir ganz irreal vor. Jetzt hab ich es auch erst verstanden mit dem Knall in der Ausstellung. Genial.
Und in diesem Haus verbringt der Rechtsanwalt seine Wochenenden. Das klingt alles sehr seltsam, wie der Hausherr.