21-09-16-CoTaBu-Heute sehr nah dran – eine Wegbegleitung mit Öl
Heute schon vor 8:00 im Hospiz. Hatte mich ja für 9:00 auf Station zur Unterstützung angekündigt; vorher noch einiges erledigen. Als erstes Blick ins fragliche Zimmer werfen und realisieren, dass die Patientin jetzt definitiv sterbend ist. Im Sozialbürgerhaus diesem Amtstrottel mit seiner Unterschrift absagen. Andere Kollegen, die in unseren „Fall“ involviert sind, aufs Laufende bringen. Die Email des Pflegevaters beantwortet. Ihm vorsichtig abgeraten, jetzt mit dem Jungen zu kommen. Selbst die Schwestern fanden den Anblick und die Geräusche (ich beschreibe das jetzt nicht!) extrem belastend. Hochgegangen; in Erwartung zu erwartender Turbulenzen: alles ruhig. Für Kolleginnen Frühstückstisch gedeckt, hatte Brezen und Semmeln mitgebracht, Obst und Gemüse. Mich immer wieder zur Sterbenden gesetzt (was sich später als Segen erwies, weil ich genau berichten konnte, wie alles zugegangen war). Meinem Impuls gefolgt, alle Schlaflieder zu summen, die ich früher meinen Kindern gesungen habe. Wegbereitungsöl stehen sehen, damit ihre Hände eingeölt. Als ich um 10:45 aus dem Zimmer ging, damit Brigitte sie nochmal frisch machen konnte und kaum unten war rief die mich an. Ich solle kommen, sie sterbe jetzt. Mit Brigitte diese ersten Sekunden, Minuten gemeinsam im Zimmer gesessen. Dann habe ich den beiden jungen Männern die Botschaft vermittelt. Alle Informationen an alle Beteiligten, die morgens auf „sterbend“ lauteten in „verstorben“ umgeändert. Am Telefon beim Ziehvater Stille. Etwas, was diese beiden so beeindruckend können. Leider kamen sie sehr viel später, (obwohl ich gesagt hatte, wann ich viel Zeit habe, wann leider gar nicht!). So konnte ich zwar ein wenig mit ihnen zur Verstorbenen gehen, dabeisein, wie sie still stehen, weinen, sich in die Arme nehmen (mit dem großen Bruder zusammen, der viele Jahre ohne Kontakt war). Während meines Lesegrüppchens (krasses innereres Umschalten!) müssen sie über eineinhalb Stunden auf mich gewartet haben! Fürs Erste bin ich rechtschaffen erledigt. Was mich freut: Brigitte hat sich gerade per Whastapp bedankt. Was mich befremdet: Winni, ein Ehrenamtler, der gestern statt in die Gruppe auf Station ging, klingelte kurz vor den Nachrichten bei mir privat an. Brachte es tatsächlich fertig, sich nicht nur für sein Geburtstagsgeschenk zu bedanken, sondern wollte mit mir Hospizgeschichten beplaudern. Das musste ich rigoros stoppen.
Du hast sie liebevoll hinüber begleitet. Jetzt hat sie es geschafft. Ich hoffe, Sohn und Ziehvater finden ab und zu aus dem Schweigen heraus.
es war sicher sehr schön für sie, dass Du immer wieder bei ihr saßt, ihr gesungen und die Hände geölt hast. Die Störung von Winnie am Abend hingegen war sehr überflüssig.