Schmerzen wegen dem ungelebten, versäumten Leben

Ich bin dann doch froh, wieder in der Landeszentrale zu arbeiten. Einige haben geschrieben, wie gut sie es finden, dass ich wieder da bin, auch einige Lehrer, die wieder bei unseren Veranstaltungen dabei sein wollen, kennen mich aus der jahrelangen Zusammenarbeit und schreiben ein paar persönliche Worte. So vergehen die Tage. Es tut mir gerade sehr gut, dass ich nach diesem Wochenende am Attersee, unter Leuten, in meinen Alltag vor dem Computer zurückgekehrt bin. Ich kann also auch seit vorgestern nichts Spektakuläres erzählen. Vielleicht, dass Yoga heute sehr schön war. Ich halte die Dehnungen, die mich an den Rand des Schmerzes bringen, immer besser aus und genieße danach das Gefühl, beweglicher geworden zu sein, ein winzig kleines Stück, und das könnte vergehen, wenn ich mich morgen nicht wieder etwas strecke. Wie viel Leben steckt in meinen Knochen, in meinen Muskeln und Sehnen? Wie würde ich mich fühlen, wenn ich ein Leben lang mehr daran gearbeitet hätte, in einem geschmeidigen, kräftigen Körper zuhause wäre? Ist es schändlich, so bequem zu sein und diese Möglichkeit des lebendigen Seins zu vernachlässigen? ich empfinde fast einen seelischen Schmerz dabei, wenn ich an dieses Stück ungelebten Lebens denke. Bei der Wanderung sagte ich zu einer Ärztin, die trotz Diabetes und mehrfachen Operationen an  Knien und Hüften wie eine Gämse über die Steine sprang: „ich habe keine Beschwerden, ich habe gesunde Knie, gesunde Füße, gesunde Hüften. Mir fehlt nix. Nur der Mut.“

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3 Antworten

  1. Heike sagt:

    Von diesem Leben außerhalb der Möglichkeiten kann ich auch ein Lied singen. Ich weiß nicht, ob es nur der Mut ist. Ich wäre eigentlich zu Sportlichkeit erzogen gewesen. Der See. Der Tennisplatz. Die Eltern, die all das auslebten. Allein es liegt nicht in meiner Natur. Höhenmeter und Schwindelzone: es gäbe Sportlichkeit jenseits von Mut. Eher Circletraining denn Stufenbarren. Und ja, irgendwie ist es auch sträflich, sich zu vernachlässigen. Nur du, du gehst doch zum Yoga, läufst stundenlang spazieren, machst mit einer der Gabis im Park oder per Zoom Gott weiß was, ich finde, das ist nicht nichts!

  2. Ines sagt:

    Heike hat Recht. Du bist aktiv. Sich bewegen bedeutet doch nicht, dass man Mut braucht, ist eher der Schweinehund, der einen abhält. Sei froh, dass du keine Schmerzen hast. Ich kenne viele Sportler, die alle irgendein körperliches Leiden dadurch haben, ganz abgesehen von den Unfällen.

  3. Renate sagt:

    Von bequem kann doch bei dir nicht die Rede sein. Yoga, Spaziergänge meilenweit. Mut ist es meiner Meinung nach nicht. Disziplin, sich immer wieder selbst zu motivieren und dabeizubleiben. Die Frage nach dem wenn… ist vergebens.

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