21-10-24-CoTaBu-Ausgehen kläglich gescheitert, Briefliteratur + liebe Kitty

Ich wollte mich gestern schon erproben, habe es auf heute verschoben. Wollte gern zur Auer Dult, dort nach etwas Bestimmtem schauen. Am liebsten mit den Ersten dortsein, Gedränge vermeiden. Schon morgens Rückzieher gemacht. Jakob sagt am Telefon, man müsse diesem Zustand etwas entgegen setzen. Das habe ich versucht, indem ich mittags zum Grab gegangen bin. Hab mich sogar beim Augustiner ins Freie gesetzt. Am Schluss trugen mich die Beine kaum mehr heim. Seitdem geschlafen. Wollte mit Gregor telefonieren, den ich vorgestern abgewürgt habe. Da war die Bindehautentzündung so schmerzhaft, so juckend und brennend, dass ich wie ein Tiger geknurrt habe – wie beim bestialischsten Allergieanfall. So kann ich kaum lesen, weil ich entweder schlafe oder die Augen wehtun oder ich einfach noch nicht soweit bin. Jedenfalls brauche ich wohl noch ein paar Tage. Das ist besonders peinlich, wenn Renate nach zwei Tagen wieder antritt, Sonja ebenso; ich aber bleibe wochenlang weg vom Fenster. Zwischendurch habe ich doch gelesen. Ich war gerade innerlich beschäftigt mit dem Thema Briefe, Briefe lesen, Briefe schreiben, Briefromane. Sovieles gibt es da! (Denke auch an Dodos ewiges Leid, die immer, immer schreiben will und es nie tut). Habe im Geiste all meine Literatur auf Briefe durchforstet, in Briefen angeordnet! Das Tagebuch der Anne Frank rausgeholt und bis etwas über die Stelle hinaus gelesen, wo sie sich entschließt, sich schreibend an „liebe Kitty“ zu wenden. Mit welcher Klarsicht dieses 13-jährige Kind, dessen Tagesereignisse auf einen hohen Beliebtheitsgrad hinweisen, das überall eingeladen ist und jede Menge „Verehrer“ hat, konstatiert, dass sie keine wahre Freundin hat. Wie sie durch die Schaffung eines Gegenübers die ersehnte, allesverstehende Freundin findet, der sie sich mit innigem Dank anvertraut. (Bei Cicero:… „verus amicus […] est […] tamquam alter idem“ (‚Ein wahrer Freund ist gleichsam ein zweites Selbst‘).

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3 Antworten

  1. Ines sagt:

    Du übertreibst, meine Liebe, wenn du schreibst wochenlang weg vom Fenster. Nimm dir die paar Tage, die du noch brauchst. Auer Dult ist in Coronazeiten ohne Gedränge, kein Vergleich zu früher. Ich war schon da. Das Tagebuch von Anne Frank will ich noch mal lesen, ich habe es nicht mehr erinnert.

  2. Beate sagt:

    Du bist einfach noch nicht „auf der Höhe“! Da sind Unternehmungen wie die Auer Dult keine gute Idee. Zur Ikone Anne Frank: Ich habe die Graphik Novel „Das Tagebuch der Anne Frank“ stapelweise zuhause. Wenn Ihr Euch dafür interessiert, bringe ich Euch ein Exemplar mit.

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