21-10-27-CoTaBu- 2. Krankenwoche- Couchgedanken + ganz Anne Frank
Gestern habe ich die Entscheidung getroffen, meine Krankschreibung in vollem Umfang wahrzunehmen. Wie bei Renate kam der Schnupfen zuletzt. Jetzt sitzt alles in Nebenhöhlen und Kopf, Rotlicht und Inhaliergerät griffbereit. Trotz herrlichstem Oktoberwetter zieht mich nichts nach draußen. Michael hatte mit mir gerade ein mittägliches Frühstück eingenommen. Es geht bei mir nur noch um Beates Couch. Wie ich`s drehe und wende…Ich hab mir immer sowas erträumt, aber vielleicht passt sie einfach hier nicht rein? Ich müsste alles verändern. Mindestens müsste mein geliebtes Stringregal raus oder die alte Kirschholzkommode der Großeltern. – Ansonsten bin ich ganz mit Anne Frank. Soweit bin ich mit ihrem Tagebuch noch nie gekommen; ohnehin hatte ich es letztes Mal anders gelesen. Dass es auch ein Buch übers Schreiben ist; dass sie mir als Zwillingsseele derart verwandt ist, manche Passagen genauso von mir kommen könnten; wie sie Dinge erlebt, wie sie zwei Seiten hat; ihre Einsamkeit thematisiert; aber auch in die Zukunft blickt…und nur die Leserin weiß ja, wohin es mit dem Öffnen der Tür und der Wiederbegegnung mit Himmel und Welt führen wird, all das fühle und lebe ich gerade neu mit. Manche ihrer Ideale und Werte sind genauso die meinen (gewesen). Gerade diese Diskrepanz zwischen Innen- und Außenseite – ein Wechsel zwischen altklug-moralischer Überlegenheit und Selbstkritik! Wie man mit all den Morotten der anderen, mit dem Angewiesensein auf Hilfe, begrenzten Möglichkeiten, sich-nie-bemerkbar-machen-Dürfen zurechtkommen konnte; wie ihre Interessen nie erloschen sind, welche Disziplin das allen im Hinterhaus abforderte, einen Tagesablauf zu kreieren, ihn einzuhalten mit verteilten Aufgaben; wie es sich aber durchaus in aller Intensität pubertieren ließ, wie sich sich selbst aufklärt und durch Peter aufklären lässt, wie sie ihre Selbststudien niederschreibt, das ist beachtlich. Bald werde ich mich verabschieden müssen, denn der August des Entdecktwerdens naht.
Nur nicht zu früh anfangen mit arbeiten. Kuriere dich richtig aus, denn wenn du zu früh gehst ist niemand gedient. Dir am allerwenigsten. Anne Franks Tagebuch habe ich noch nicht gelesen. Ein Vorhaben für den Winter. Ich kenne lediglich den Film.
Nach deinem Blog habe ich jetzt auch vor, das Tagebuch von Anne Frank nochmal zu lesen. Ich habe es gar nicht mehr in Erinnerung. Dann hast du jetzt noch 5 Tage Zeit, um wieder ganz gesund zu werden. Ich hoffe, am Wochenende kannst du den Oktober noch etwas genießen.