Kaum Zeit zu trauern
Die Internetvebindung im Zug ist wacklig, aber ich schreibe jetzt trotzdem mal. Die letzten zwei Tage waren voll gepackt mit Aufgaben, die wir in unterschiedlichen Konstellation erledigt haben. Heute nach dem Frühstück kamen meine Schwester und Schwägerin, um die Briefumschäge für die Trauerkarten zu beschriften und zu frankieren. Die Karte selbst hat mein Vater hauptsächlich entworfen, da gab es ja auch so viel zu entscheiden. Welcher Spruch, welches Papier, wie arrangiert. Gestern haben wir mit 4 Pkws das Zimmer im Heim ausgeräumt, mit Unterstützung meiner starken Neffen. Ich bin immer wieder beeindruckt von meinen Verwandten dort, die so überlegt und zielstrebig arbeiten, das Gegenteil von kopflos. In einer Stunde war alles erledigt. Morgens bei der Gärtnerei mit Schwester und Vater, Sarggesteck, Kränze und Blütenbätter in Auftrag geben. Am Freitag, also den Tag nach Mutters Tod bei der Bestatterin mit Vater und Geschwistern. Welcher Sarg, welcher Friedhof, welcher Priester, Kapelle, Lieder, Lokal für danach, Möglichkeit der Abschiednahme am Sarg: ja oder nein; alles musste entschieden werden. Dazwischen immer wieder Verwandte und Nachbarn informieren, Foto von Mama aus den vielen Alben auswählen. Das Zentrale, nämlich der Zeitpunkt der Beerdigung stellt sich erst morgen heraus. Abends waren wir entweder bei Schwester oder Bruder zum Essen eingeladen. Es gab wenig Zeit für Rückzug und Trauer. Aber wir hatten meine Mutter irgendwie immer dabei und haben oft überlegt, wie sie entscheiden würde und immer wieder über sie geredet. Ich hätte gedacht, dass sich meine Mutter zu Lebzeiten über ihre Beerdigung Gedanken gemacht und ihre Wünsche geäußert hätte, hat sie aber nicht. Ich geh jetzt erst mal zurück in meinen Alltag und fahre dann am Donnerstag mit Hubert und Kindern wieder hoch. Im Moment bin ich nur erschöpft und wirklich froh, dass ich da war, bei ihr war und dann auch mithelfen konnte. Mal sehen, wie sich meine Gefühlslage entwickelt.
Wie im Zeitraffer schilderst du wie deine Verwandten, deine Familie, wie ihr das alles bewältigt habt.
Ich finde es schön, dass eure Mutter euch die Gestaltung ihrer Beerdigung überlassen hat. Ich war früher anderer Meinung, inzwischen bin ich abgekommen von dem Gedanken alles selbst durchzuplanen.
Was alles zu tun ist kommt mir sehr bekannt vor. Ganz neu und anders ist es, dass ihr als große Familie zusammenarbeitet. Keine Zeit zu trauern…ich glaube, das ist ein Gedanke, den jeder Trauernde kennt. Deshalb glauben wir Hoszpizler, dass genau das Gestalten Teil davon ist, nicht losgelöst davon stattfindet.
aus Deinen Zeilen spricht viel Gleichklang und gegenseitiger Beistand in diesen Tagen! das ist sehr schön, ja, kostbar!