Das Leben geht weiter

Heute um 8 Uhr bereits bei der Physiotherapie gewesen. Heute das zweite mal. Meine Orthopädin hatte mir Manualtherapie verschrieben wegen meiner Hüftschmerzen. Interessanterweise sind die Schmerzen, die ich jahrelang und z.T. echt heftig verspürt hatte seit einiger Zeit weg. Keine Ahnung, welche Maßnahme da geholfen hat. So ist der Besuch bei der Physio eigentlich nicht dringend nötig. Der Therapeut hat meine Muskeln bewundert und mich gefragt, welchen Leistungssport ich gemacht habe. Er hatte Eisschnelllauf vermutet. Das hat mich belustigt und auch ein bisschen stolz gemacht. Nach der Physio nach Hause und Online Yoga gemacht. Auch dabei festgestellt, dass ich wieder fitter als die letzten Monate bin. Vielleicht fällt gerade etwas von mir ab. Allerdings hatte ich die letzten zwei Tage eine dauernde Übelkeit, insbesondere nach dem Essen. Vielleicht ein Reaktion der Psyche, denn krank bin ich nicht. Nach dem Yoga die Mittwochsroutinen mit Wäsche, Einkauf, Haushalt erledigt. Da wir als Abteilung morgen einen Klausurtag im Kloster Andechs haben, musste ich noch einen Text lesen und einen kleinen Vortrag vorbereiten. Danach meinen Vater angerufen. Wir haben die Beerdigung reflektiert und waren uns einig, dass es nicht besser hätte sein können. Laufend kommt noch Beileidspost ins Haus. Auf der Einkaufsstraße wird er von allen möglichen Menschen angesprochen, die mitbekommen haben, dass Elisabeth gestorben ist. Auch rufen wohl sehr viele Menschen an und wollen mit ihm reden, was für ihn eher eine Pflichtübung ist. Wir telefonierten lange und er erzählte mir, dass er ohne meine Mutter Schwierigkeiten habe, sich zu motivieren. Seit 60 Jahren hätte er alles auch für sie gemacht, z. B. das Laub im Garten rechen. Jetzt denkt er, das kann ich auch ein anderes mal machen. Auch bei jeder kleinen Entscheidung denkt er an sie und wie sie es entscheiden würde. Ich kann das gut nachvollziehen, da ich in Beziehungen auch so denke. Meine Mutter hat sich die richtige Zeit zum Sterben ausgesucht. Noch vor der nächsten Coronawelle mit all den Maßnahmen, die das Leben im Heim und auch das Sterben so furchtbar einsam gemacht hätte. Die meiste Zeit bin ich froh, dass sie diesen Übergang in den Tod jetzt vollzogen hat. Vielleicht sollte ich mehr Traurigkeit empfinden, aber es überwiegt die Erleichterung. Und innerlich kann ich mich auf sie beziehen und Zwiesprache mit ihr halten, so dass der Tod sie mir nicht weggenommen hat.

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2 Kommentare

  1. Heike sagt:

    Für deinen Vater ist es eine andere Situation, sie war – wie man sagt – seine „bessere Hälfte“. Ich finde, der liebe Gott hat es gut gemeint mit den Beiden. Durch die schwere Erkrankung ist viel von der Trauer vorweg genommen und dein Vater wacht schon seit einiger Zeit allein auf und konnte nicht mehr so kommunizieren mit ihr wie früher. Aber mir geht ans Herz, wie er seinen Zustand beschreibt.- Eine Leistungssportlerin, wow!

  2. Beate sagt:

    es ist sehr schön zu lesen, wie Du versöhnt damit bist, dass Deine Mutter zu einem Zeitpunkt gegangen ist, wo ihr so viel erspart bleibt und dass Du Deine Gespräche mit ihr führst und führen wirst.

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