21-12-01-CoTaBu-Horrorkabinett Therese und VorVorgesetzter + später Termin
5:00 früh. Gestern hat Andrea für alle einen Adventskalender mitgebracht, sogar die Ehrenamtlichen bedacht. Bei mir backt schon Honigkuchen fürs Team. – Mit meinem Vor-Vorgesetzten geht es weiter. Doch, er wisse meinen Ausstieg von Dieckhoff. Ich: falls dem so sei: mir unerklärlich. Das könne er jetzt nur mit Therese klären, die sich darum kümmern wollte (Datum, Zeit, Wortlaut). Habe aber gestern meine Absichtserklärung in den Briefumschlag gesteckt, nur Kopie an Therese (bewusster Affront). Therese gestern an Gregor (für mich cc), sie wolle sich mit ihm zusammensetzen wegen des Übergangs, damit sie (nicht wir) „mit einer Stimme sprechen“. Er verabscheut sie. Will sie es gestalten, als sei ich schon tot? Derweil warte ich nur darauf, dass meine potenzielle Nachfolgerin von Corona genesen sich mit mir auf ein Schnitzel trifft, wir sind längst dran. Allerdings ohne Therese. – Mein gestriger Termin hat meine Hypothesen nur teilweise bestätigt. Das Taxi fuhr massiv verspätet vor, sodass ich nach Testung erst um 16:30 anfangen konnte. Ein ungewöhnlich gepflegter, regelrecht schicker Patient mit gewienerten Schuhen schwankte selbständig, wie ein lebender Leichnam auf Wanderstöcken, herein. Aus seinem Rucksack ragte das Schläuchlein seines Schmerzperfusors, das mit seinem Port verbunden ist, was ich weiß, aber nicht sah, so dezent wurde das getragen. Die Frau hielt sich nicht bereit, um seinen zu erwartenden Sturz abzufangen, rückte nicht den Stuhl zurecht oder hob nicht seine Stöcke auf, auch wenn ich dachte, er macht gleich seinen finalen Salto. All das durfte sie nicht, dahin ist sie erzogen. Im Dreiergespräch war sie allerdings hin und wieder dran. Flüsterte nur, als er einmal ins Bad musste, er sei nicht der einfachste Mann. Diese Information hätte ich nicht gebraucht. Er wirkte extrem diszipliniert, zeigte aber auch Humor. Ein Skelett mit Schluckstörungen lehnt eine PEG-Sonde ab, fragt, was es zu essen gebe und er wolle schließlich bei uns nicht Hungers sterben. Seine Wünsche, bezogen auf das Beisein seiner Frau, gerieten zu einer herzzerreißenden Liebeserklärung. Am Ende wollen es die Beiden doch noch zu Hause versuchen, wir bleiben jetzt engmaschigst im Kontakt. Als die Option gestern so nahe rückte – sie griff sich an Hals und Herz – da wurde es ihr doch ganz anders. So haben sich die Beiden angesichts der Trennung Richtung Hospiz und Paradies noch einmal enger verbunden und machen zunächst einen Rückzieher; bindungstheoretisch eine gesunde, wünschenswerte Reaktion.
Das ist eine überraschende emotionale Wendung mit den beiden. Sehr lustig, dass sie dir zuraunt, er sei kein einfacher Mann. Und sein Satz, dass er nicht verhungern will, ist erstaunlich, lustig und traurig zugleich. Die ganze Geschichte mit Therese durchschaue ich nicht.
Hoffentlich schießt Er. Therese nicht quer und boykottiert eure Wahl. Eine eigenartige Sache ist das mit der Weitergabe an deinen Vorvorgesetzten. Das sich der Patient, als Tyrann beschrieben, zu seiner Frau in Liebe bekannte, ist schön.
Die Geschichte vom Patienten und seiner Frau hat mich sehr beeindruckt, besonders auch Deine Beschreibung der Situation. Therese walzt über Euch hinweg mit ihrem Spruch? Wie ist das einzuschätzen?