Null Bewegung, Telefonsessions, Wohnen

Ein bisschen schlechtes Gewissen habe ich, dass ich heute nicht einen Schritt vor die Tür gesetzt und auch sonst nicht besonders viel gemacht habe. Viel Zeit frisst weiterhin das neue Smartphone. Die Fotos habe ich nun alle in speziellen Ordnern abgespeichert und räume weiterhin auf, heißt, dass ich die Alben nochmal durchschaue und manche Fotos lösche, die mir gar nichts mehr sagen oder die vollkommen dunkel oder unscharf sind. Außerdem noch Apps installiert und erprobt.  Mit meinem Vater telefoniert, der sehr viel zu tun hat. Mit dem Tod meiner Mutter geht er für meine Begriffe sehr rational um. Mir gegenüber zeigt er zumindest keine Gefühle von Trauer. Er war noch nie der emotionale Typ und vor allem hat er sich noch nie hängen gelassen. Das ist jetzt scheinbar auch seine Strategie, mit seinem Witwerdasein umzugehen. Am 10.2. fahre ich wieder nach Bielefeld, um die Sachen meiner Mutter mit ihm und meinen Geschwistern zu sichten und zu entscheiden, was wohin kommt. Außerdem mit Jaron telefoniert, der ja nie viel von sich preis gibt und schließlich mit Urmila, die am Stück ohne Punkt und Komma ihre ewig gleiche Leier abspult. Der Abend mit den Nachbarn gestern wirkt noch etwas nach. Sie wohnen in der 3-Zimmer Wohnung unter uns mit 2 pubertierenden Jungs und einem Vater im Home Office. Alle 4 leiden unter dem Platzmangel und dem fehlenden Rückzugsort. Ich kann das so gut nachvollziehen, denn ich habe mir auch viele Jahre einen eigenen Raum gewünscht. Die Suche nach einer größeren Wohnung hier im Viertel ist ein fast unmögliches Unterfangen, wenn man nicht gerade 2800 Euro Miete zahlen will. Gleich gehen wir noch indisch essen und am Abend gibts den sonntäglichen Tatort. Und schon ist das Wochenende wieder rum.

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5 Antworten

  1. Heike sagt:

    Apropos eigener Raum: sei froh, solang du noch arbeitest. Wie soll das werden, wenn mal beide ausscheiden und dann in einer Wohnung aufeinander sitzen? Da kann die Wohnung noch so groß und schön sein, anders als bei euren Nachbarn! – Dann wiederhole ich mich: Es gibt für Trauer keine Sprache. Was innerlich vorgeht lässt sich mit keinem Wort mitteilen. Das Umfeld deutet Tränen als Ausdruck und ist zufrieden, wenn es davon etwas sieht. Sie sind der geringste Anteil.

  2. Renate sagt:

    Die Zeit im Homeoffice sind für Familien mit Kindern sehr herausfordernd. Jeder Mensch trauert anders. Wie heißt es reinschauen kannst du in keinen Menschen.

  3. Beate sagt:

    Mein Vater hatte einen ähnlichen Umgang mit seiner Trauer wie Deiner. Er war zeitlebens Rationalist und das half ihm erstaunlich gut, als meine Mutter gestorben war. Die große seelische und körperliche Belastung, das überfordert sein fällt weg. das hilft natürlich auch. Urmilla redet viel und immer das Gleiche? Damals, in Umbrien, trat sie wie eine weise Frau auf, so hab ich sie in Erinnerung

  4. Beate sagt:

    Mein Vater hatte einen ähnlichen Umgang mit seiner Trauer wie Deiner. Er war zeitlebens Rationalist und das half ihm erstaunlich gut, als meine Mutter gestorben war. Die große seelische und körperliche Belastung, das überfordert sein fällt weg. das hilft natürlich auch. Urmilla redet viel und immer das Gleiche? Damals, in Umbrien, trat sie wie eine weise Frau auf, so hab ich sie in Erinnerung

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