22-01-20-CoTaBu-Doch Bewegung? – „Gott“ in den Gruppen – 2 Filmabende

Jetzt ist doch Bewegung entstanden. Millionen Anfragen, ein Platz. Ich bin ausgiebig beschäftigt, alle gründlich auf unsere Notizen durchzugehen. Nach vielen Telefonaten habe ich Kontakt nach Harlaching aufgenommen, mit einem Arzt gesprochen wegen einer Patientin, die dringlich wirkte. Kurz danach rief sein Kollege bei Sonja an, wie es sein könnte. Tage vorher hatten wir gesagt, das könne Monate dauern. Das ist jetzt das Nächste. Dass ich jedem diesen Zahn gezogen habe, die Leute reihenweise erstmal in Kurzzeitpflegen gehen müssen. – Prof. Schlemmer hatte die Woche mit Gregor etwas wegen einem Exjunkie gemauschelt. Als Robina Hood der Patienten werfe ich mich mit Feuer und Schwert dazwischen bzw. blocke ab. – Gestern und vorgestern Gruppe. Auf die (wiederkehrende) Frage, wie wir zu Sterbehilfe stehen, Schirachs „GOTT“ besorgt; an den Abenden angeschaut, Notizen gemacht; Diskussion dazu im März. Fachlich astrein. Kontroverse Positionen der verschiedenen Professionen. Provozierend für mich: wenn der Ärztevertreter behauptet, Palliativmedizin stünde jedem zur Verfügung und was Hospize leisten. Irrelevant gegenüber dem Fall, um den ist geht, einen gesunden alten Mann, der sterben will. Untragbar: Depressionen seien heute gut behandelbar. Das ist nicht korrekt. Wem gehört unser Sterben? Durch die Gesetzgebung von 2020 hat sich nichts geändert. Ärzte wollen sich für (im Film zitiert) „diese Drecksarbeit“ nicht hergeben, dürfen jetzt Beihilfe zum Suizid leisten, müssen aber nicht. Infolge der neuen Gesetzeslage hatte ich schon Sterbewillige am Telefon, die nicht begreifen, dass sie – gesund, aber am Leben leidend – nichtmal bei uns Sterbehilfe bekommen. Ich befasse mich mit ihnen, weil ich realisiere, dass es für diese Menschen keinerlei Anlaufstellen gibt. Für mich ist Beihilfe zum Suizid keine Option. Aber die Mehrheit der Bevölkerung hat die Verabschiedung des Gesetzes als Errungenschaft gefeiert, im Parlament gab es Appplaus!! Jetzt gibt es niemanden, der es umsetzen will; höchstens im Verborgenen zum Preis der stillschweigenden Ächtung innerhalb der Berugsgruppe? Gott heißt der Film, weil sich der Ärztevertreter gottgleich über die Menschen stellt. Oder weil der Mensch sich zum Herrn über sein Leben machen will?

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4 Antworten

  1. Beate sagt:

    Schirach ist ein strittiger Mensch. Was mir an seinen Filmen nicht gefällt ist, dass er sich auf große Themen stürzt und sie so spektakulär aufbereitet, dass ich, wie ein Voyeur gebannt vor dem Bildschirm sitze und danach ist doch alles Asche.

    • Heike sagt:

      An dieser Stelle muss ich dir widersprechen: Gott ist nicht spaktakulär aufgezogen, sondern gerade der Fall zeigt gesellschaftliche und persönliche Realität(en)und Themen auf, die in meinem beruflichen Umfeld Tag für Tag vorkommen und eine riesige Not aufzeigen und im Zuge des immer größer werdenden Rechtes auf Selbstbestimmung (im Zuge der Pandemie abnehmend) höchste Relevanz besitzt. Ein Großteil der Bevölkerung sieht es als sein Recht und als seinen Anspruch an, den eigenen Tod nicht nur in die Hand zu nehmen, sondern ihn auch schmerz- und leidfrei durchzusetzen. Aus meiner Sicht besticht der Film abgesehen von wenigen Aussagen durch astreine Recherche, nicht nur juristisch, wie es Schirachs Fach wäre.

  2. Renate sagt:

    Das Kammerspiel mit Lars Eidinger. Ich fand das damals interessant, die verschiedenen Fachrichtungen zu hören. Was mich irritierte dass es sich um einen gesunden Mann handelte, der seiner Frau nachfolgen wollte.

  3. Ines sagt:

    Ein unglaublich schwieriges Thema. Ich kann dazu gar nicht mit einer eigenen Meinung beitragen. Du als Robina Hood find ich gut. Wie schwer ist es, auszuwählen, wer von den Vielen bei euch einziehen darf.

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