Soviel Schweres

Zu Fuß zur Tramhaltestelle Amalienburgstraße gegangen, von da bis Romanplatz gefahren. Vor dem Kiosk am Romanplatz Blumen und Kerzen. Der Betreiber des Kiosks hat sich das Leben genommen. Rr war 55 Jahre alt. Ein Brief hängt an der Tür, in dem die Post für seinen Tod verantwortlich gemacht wird. Angeblich sollte der Kiosk, der Eigentum der Post ist, weg. Ich kannte diesen Mann und habe mich oft mit ihm unterhalten. Meinen Geburtstagsgutschein im Buchladen eingelöst. „The hill we climb“ von Amanda Gorman mitgenommen, in dem das Gedicht auf englisch abgedruckt ist. Die Übersetzung ist auch dabei, die mich aber weniger interessiert. Mir gefällt die Anordnung des Gedichts in dem Buch. Auf der linken Buchseite ein paar Zeilen auf englisch, rechts die Übersetzung. Für mich passt die Übersetzung nicht immer, bestimmte Redewendungen kenne ich allerdings auch nicht. Abends die Wannseekonferenz gestreamt. 15 Männer beschließen die Vernichtung von 11 Millionen Juden, gefühlskalt, sachlich,  effizient, wird wie über eine Ware verhandelt. Der Chef der Sicherheitspolizei Heydrich mit seinem Dauerlächeln leitete ruhig und souverän die Sitzung. Unvorstellbar was sich diese Menschen ausgedacht haben. Wie gelingt es jüdischen Menschen, besonders denen, die im KZ waren, zu vergeben, zu verzeihen und sich zu versöhnen? Das ist wahre Größe.

 

 

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3 Kommentare

  1. Heike sagt:

    Verzeihen und Versöhnen ist ja nun schon über Generationen nicht gelungen. Wie auch? Einzelne Botschaf-ter! Die Übersetzung von „The hill we climb“ mit all seinen Alliterationen und Lautmalereien kann nicht ganz gelingen, meine ich. – Ich kannte den Kioskbesetzer nicht so gut, weiß nur noch sein kleines Universum; er stets freundlich, hilfsbereit. Eine Existenz von außen zerstört, sein Leben Schutt und Asche. So tragisch. Wer weiß, was er sonst noch hatte….

  2. Ines sagt:

    Der Kioskbesitzer war sicher eine Institution im Stadtteil. Traurig, aber ich könnte mir auch vorstellen, dass er noch andere Probleme hatte, die ihn zum Suizid getrieben haben. Die Wannseekonferenz schau ich mir nicht an. Das ist mir zu heftig. . . „The hill we climb“ ist allein schon eine schön klingende Überschrift. Die Übersetzung hört sich nicht so schön an.

  3. Beate sagt:

    Ich schau mir die Wannseekonferenz auch nicht an. Die Täterperspektive zu thematisieren war zu Frau Distel’s Zeiten, als ich in der Gedenkstätte arbeitete, ein Tabu. Das ist schon damals, in den 90er Jahren wissenschaftlich in Frage gestellt worden, hatte aber starke Auswirkungen. So Kam einmal ein Mann, der zwei Tage vorher erfahren hatte, dass sein wirklicher Vater der letzte Kommandant Weiter war. Er wollte fragen, ob es Unterlagen von ihm gäbe. Nichts war über Weiter im Archiv zu finden.Die Gedenkstätte ein Ort für die Opfer. Damals lebten noch viele Zeitzeugen die regelmäßig vorbeikamen und ich habe sie kennengelernt. Keiner von ihnen war bereit zu verzeihen.

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