22-01-28-CoTaBu-Tanyas trauernde Schwester, Telefonate per Freisprech im Auto und Teamwork wie eh und je
Gestern war die Schwester von Tanya da, die im letzten Frühling mit Mann und kleiner Tochter nach Bulgarien zurückgekehrt war, pflegebedürftig, aber stabil. Sie ist am 12. Januar 34-jährig verstorben. Bei ihrer trauergequälten Schwester ging es – wie immer – um Dinge, die Menschen in so einer Situation sagen und diese Verlassenheit. Schrecklich: Wie innerfamiliäre Konflikte über den Tod hinaus schwelen, wie einer etwas anderes als der andere gutheißt, unterschiedliche Werte und Bewertungen, was das Kind sehen durfte, was nach Ansicht des jeweils anderen nicht. – Gestern eine Patientin verstorben, wegen der ich mich mit dem Betreuungsgericht herumgeärgert habe und „in einer stillen Stunde“ eine Beschwerde schreiben werde. Telefonate ohne Ende, vielfach von Autobahnen aus. Eine Frau bat ich – ist es zuviel? – ob sie statt Freisprechanlage – für die Situation ihrer Mutter bitte eine ruhige Minute suchen könne, ich ertrüge diese Akustik nicht. Warum verstünden sie dann andere? Sie rief schon penetrant wiederholt an, weil ich immer besetzt war. Ich jederzeit bereit, während andere die Minute auf dem Weg Gott weiß wohin nutzen? Dann sucht sie jetzt halt einen Parkplatz! Ich solle ihr nicht sagen, wann und wo sie telefonieren soll! – Ob die Leute bei der Telefonseelsorge auch von Autobahnbrücken aus anrufen, von denen sie springen wollen? – Gestern habe ich Gregor einen Patienten weitergegeben, über den er schon mit Prof Schlemmer gesprochen hat. Habe ihn hingewiesen, was das bedeutet! Ein aktiver Junkie, dem man das Telefon wegnehmen und den Zutritt bewachen muss! Also wollte er es doch nicht. Er sollte das direkt mit Schlemmer ausmachen, so habe ich es auch mit Frau Dr. Roller besprochen. „Wir mischen uns da gar nicht ein.“ Den hat er „nicht erreicht“. Im Gehen habe ich ihm noch hingelegt, um wen er sich – wenn das geklärt ist – alternativ kümmern soll. Jetzt ist er krankgemeldet, Sonja war ohne jede Info. Ich habe jetzt zweimal in der Palli angerufen, den Rest warten wir ab. Teamwork mit Gregor.
ich hab laut gelacht bei der Vorstellung, dass Einer noch schnell bei der Telefonseelsorge anruft, bevor er non der Autobahnbrücke springt. Es ist wirklich sehr absurd, so ernste Angelegenheiten nebenbei von der Freisprechanlage zu regeln. Was Du über die Dinge schreibst, die Verlassenheit und all das Andere, das hochkommt, wenn Einer in der Familie geht, hat mich sehr berührt. Eine große und eine schwere Aufgabe in Deinem Beruf, Deiner Berufung
Ich kann mich an deine Einträge zu Tanya gut erinnern. Dann hat sie jetzt noch fast ein Jahr weiter gelebt. Dieses Telefonieren und gleichzeitig etwas anderes machen wie z.B. Auto fahren finde ich auch ganz schlimm. Die Menschen meinen immer, sie können alles gleichzeitig, aber das stimmt nicht. Auf wichtige Gespräche muss man sich konzentrieren und kann nichts anderes machen. Ich verstehe gut, dass du dich darüber ärgerst, zumal du nicht nebenbei deine Fingernägel feilst oder bügelst. Teamwork mit Gregor ist auf die letzten Monate scheinbar nicht wirklich im Team, oder.
Ich kann mich noch an die junge Patientin erinnern. Gut, dass sie zu Hause in ihrer Heimat sein konnte.
… und nebenbei schnell noch einen Platz im Hospiz organisieren. Was denken sich die Leute eigentlich?