22-02-10-CoTaBu-Rentnerinnen gegen Totenstille und Boreoutgefahr

Wie Renate schrieb: Solch tote Hose wie gestern hatten wir noch nie. Eine Ursache könnte sein, dass langsam das Umfeld, alles an SAPV-Teams und Palliativstationen in und um München inzwischen gelernt haben, dass bei uns gerade nichts geht. Irgendwann ebbt die Nachfrage ab. Da kam Renates Englischprogramm wie gerufen. Sie ist so schnell, dass ich nicht mitkomme. Es ist, glaube ich, nicht nach meinem Gusto, aber ein prima Einblick. Auch bei mir nahm er nicht „good night“! Ich kann hoffentlich bald anwenden, was ich (neu) gelernt habe wie to argue, to complain und roommate. Eva und die Freundin kamen wie gerufen, als sie nach ihrem gemeinsamen Spaziergang zu dritt nochmal reinschauten. Ein Plausch, auf meine angebahnte Lebenssituation zugeschnitten. Eva ist auch Soz.Päd. und beschrieb äußere und innere Vorgänge, mit denen ich mich identifizieren konnte. Da standen also zwei erfahrene, vorbildliche Rentnerinnen vor mir (die dritte kenne ich nicht, deshalb schreibe ich zwei, obwohl es drei waren), nicht das Schreckensbild, das wir gewohnt sind, die Scharen bildungshungriger Grauhaariger in beigen Wetterjacken, die aus Bussen steigen oder Wartezimmer bei Ärzten bevölkern und über Krankheiten sprechen wie bei Polt. War ich 2009 wegen Burnout auf Reha, so könnte mich auf den letzten Metern noch ein Boreout zur Strecke bringen. Andere würden schonmal „aufräumen“. Dazu brauche ich eine ganz andere Art der Energie als die des Leerlaufs. Abends habe ich mich noch über Bibliotherapie kundig gemacht. Es ist nur im Verein mit Poesietherapie und kreativem Schreiben im Angebot. Das habe ich also schon im Gepäck. – Heute ein Frühlingsmorgen!

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4 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Herrlich, wie du das Schreckensbild der Rentner beschreibst, man hat sie gleich vor Augen. Boreout ist auch sehr treffend. Was braucht es, dass du mit Aufräumen anfängst, mehr Druck wahrscheinlich. Bibliotherapie hab ich noch nie gehört.

  2. Renate sagt:

    Jetzt bin ich noch schnell aber lass mal die schwierigeren Englischlektionen kommen. Ich bin froh dass ich nur eine Woche arbeite. Du musst seit längerer Zeit damit umgehen, ständig abzulehnen, zu vertrösten. Das geht an die Substanz. Ich hatte mir heute überlegt dir anzubieten deine Ordner etwas zu durchforsten und auszudünnen. Dann war ausnahmsweise bei mir gerade was zu tun, dann bei dir. Vielleicht hast du im April, wenn ich wieder arbeite, die richtige Energie.

  3. Beate sagt:

    Ja, die Bibliotherapie.. das war ja der hohe Anspruch vom Fröhlichen Krankenzimmer, ich hab damals etliche Vorträge von damals kundigen Referenten für die Hefte zusammengeschrieben. Einer von Ihnen war Frühwald, ein sehr renommierter Gemanistikprof., bei dem ich später meine Magisterprüfung gemacht habe, mein letztes Fach war über Stifter, ich holte mir die Bücher aus dem Regal meiner Mutter und las. Da wußte ich, was damit gemeint sein könnte, wenn von Bibliotherapie die Rede ist. Selten davor und auch danach bin ich beim Lesen in so einen (Heilungs-) Prozess gekommen

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