Zug, Nachlass, Politische Diskussion

Im Zug nach Bielefeld sitzend neben einer sehr großen Soldatin ( mindestens 1.85Meter), die etwas schwer unter ihrer Maske schnauft, und die ganze Zeit arbeitet, sprich: Texte liest, etwas aufschreibt. Sie scheint viel lernen zu müssen als Soldatin. Wir haben kein Wort gesprochen. Niemand spricht hier. Ruhebereich. Ich lese, döse, schreibe auf meinem Smartphone und überlege, wann und ob ich meine belegten Brote esse. Wir werden dauernd dazu aufgefordert, die ganze Zeit die Maske zu tragen, und das verträgt sich nicht gut mit Essen und Trinken. Ich freu mich auf meinen Vater. Das Begutachten der Kleidung und Habseligkeiten meiner Mutter wird bestimmt viele Erinnerungen hervorbringen. Ich bin froh, dass meine pragmatische Schwester dabei ist. Ich würde mich wahrscheinlich in diesem Wust verlieren und hätte Schwierigkeiten mit den Entscheidungen, was wohin soll und insbesondere was weg soll. Der gestrige Abend war üppig, was Essen und Trinken betrifft. Die meisten der Frauen kenne ich seitdem ich im Kinderzentrum angefangen habe und fühle mich fast familiär verbunden. Leider wurde mir zu viel über Politik gesprochen, da konnte ich noch nie so gut mitreden. Obwohl ich regelmäßig Zeitung lese und Tagesschau ansehe, habe ich das Gefühl, zu wenig zu wissen. Meine politischen Äußerungen könnte ich nicht gegen andere mit Fakten untermauern. Zudem fehlt mir die Selbstsicherheit, so überzeugend aufzutreten wie andere. Nachts bin ich von Gauting mit dem Bus nach Fürstenried gefahren. Ich war die einzige im Bus auf dieser ewig langen Strecke, wie in einem übergroßen Taxi und das für 2 Streifen.

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2 Antworten

  1. Heike sagt:

    Ich gehe davon aus, dass die meisten ihre Argumente nicht mit Fakten unterlegen, sondern – abgesehen von Historikern, PolitikerInnen und Fachleuten – nachquasseln, was Medien vorkauen. Wie auf dem Fußballplatz fühlen viele sich auch in der Politik als Experten. Im Zug hattest du Glück und Pech zugleich. Maskenzwang, Hunger, aber Ruhe; das war auf meinen Fahrten im Ruhesalon nicht immer so. Die Durchsicht der Hinterlas-senschaft deiner Mutter könnte idealerweise etappenweise gehen, wenn kein Zwang zur Räumung besteht.

  2. Beate sagt:

    Das, was an Kleidern und Gegenständen von Deiner Mutter geordnet, aussortiert und aufgeteilt wird, ist vielleicht sehr schmerzhaft für Euch. Wie gut, dass Du nicht allein damit bist!

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