22-02-14-CoTaBu-Ein phänomenaler Abschied, Büffelwurst und Canel Nr. 5

Vor mir liegt die Woche. Ich gestehe, ich zähle schon. Angesichts dessen, welche Loblieder gestern auf die Pfarrerin erklangen, welch fantasievolle Ideen sie an ihren Wirkstätten umsetzen konnte, (bei uns hat sie, wie so mancher, keinen Fuß auf den Boden gebracht!), erschien mir unser Haus blass. Ich führe es auf Gregors exzellente, aber allesamt 1:1 „Liebesbeziehungen“ zurück, die zulasten gemeinschaftlicher Entwicklung gedeihen. So haben viele Kolleginnen besondere Zusatzqualifikationen, die selten den Teamgeist befruchten, sondern in Vereinzelung verkümmern. St. Stephanus gefällt mir gut. Der Umgang mit Corona aber nervte wieder – die Kirche als Corona-Musterschülerin. Die Predigt von Irmgard, die Laudationes hinterher, alles so bunt, lustig, tiefsinnig, dass es mich schier zerriss. Wohlweislich hatte ich Taschentücher dabei. Natürlich wusste ich das Wenigste, nicht die Jahre in amerikanischen Psychiatrien, ihr Afrikaengagement, ihren Posaunenchor. Sie selber ganz sie. Wie ein Kind, wie ein Vögelchen beugte und ruckte sie schon im Hereinschreiten im samtenen Talar das Köpfchen in alle Richtungen; die Intonation einer Märchentante auf der Kanzel: aber sprühend, poetisch, geistreich und tief sprituell zum gewählten Psalm 18 mit dem Satz „Er führte mich hinaus ins Weite…“. Nach zwei Stunden war ich so durchgefroren, dass ich mir den Empfang gespart habe; alles stand bei ihr Schlange. Ich drängte mich von hinten vor, gab ihrem Mann und den Söhnen meine Abschiedskarte, griff ihr nur einmal um die Taille. Da sagt sie, Moment, und wir bleiben in Verbindung, und, ich hab was für dich: angelt eine Tüte mit Dietelshofer Büffelwürsten hervor. Dahin waren wir vorletzen Sommer einmal verabredet gewesen. Dann Michi zum Spaziergang und zur Ente in der Schlossschwaige getroffen. Im kleinen Café im ehemaligen Schreibwarenladen durfte ich ohne Pass, nur mit Bild und CoronaApp nicht warten! Abends deutsch-russisch mit Monika: Chanel Nr-. 5 , poetisch-musikalisch-historisch. In der Kirche hatte man mindestens 2,5 m Abstand gehabt, bei Chanel gefühlt gar keinen.

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4 Antworten

  1. Renate sagt:

    In St. Stephanus hatte ich mein erstes Abendmahl und Luis wurde dort getauft. Ich kann deine Euphorie verstehen, was den Abschied von Frau W.E. betrifft. Auch in Anbetracht der Verödung, die seit längerer Zeit im Hospiz herrscht. Was hat es mit Chanel Nr. 5 auf sich

  2. Beate sagt:

    Hat es sehr stark gerochen? Aufdringlich? Ich hab es auch im Bad stehen..Ja, die Stephanuskirche, da ist Alina in ihrer Kindergartenzeit aufgetreten, als barmherziger Samariter und als Maria. Renate, ihre Patentante stets an meiner Seite

    • Heike sagt:

      Es war kein Ausflug in den Parfumflacon, sondern musikalisch poetisch biografisch (Coco) kulturell historisch. Die Kostprobe bekamen wir in Form zweier parfümierter Federn mit: einmal Chanel Nr. 5, einmal rotes Moskau. Die dufteten wirklich stark, ich musste sie unterwegs wegschmeißen.

  3. Ines sagt:

    Wow, so eine tolle Abschiedsfeier in diesen Zeiten. Bei uns gehen die langjährigen Mitarbeiter ohne jedes auch noch so kleine Abschiedsritual in Rente. Einen sehr abwechslungsreichen und bewegten Sonntag hattest du, so scheint es mir.

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