Bertin, Aham und Pascale

Montag war ich ziemlich niedergeschlagen. Der Aufenthalt und die Beschäftigung mit den Sachen meiner Mutter hat seine Spuren hinterlassen. Während des Wochenendes habe ich die Traurigkeit gar nicht gemerkt, die kam erst später. Es tat mir Leid für Hubert, der sich sehr auf mich gefreut hatte und am Sonntag dann einen schweigsamen Trauerkloß an seiner Seite vorfand. Meiner Schwester ging es genauso. Heute geht es mir wieder besser. An mehreren Fronten geht es aufwärts. Ukrainekonflikt erst mal entschärft, Coronazahlen auf dem Rückzug, Februar geht zügig vorbei und die Tage werden länger. Heute habe ich Tulpen gekauft, orange, bei Sandro, meinem liebsten Gemüseverkäufer des kleinen Ladens um die Ecke. Gestern Abend war Bertin zu Besuch. Er ist ein Freund von Hubert und Schreiner, der schon ganz viel für unsere Wohnung und Schliersee geschreinert hat. Witzigerweise ist er ganz eng mit Aham verbunden und hat dort mit Sören zusammen Kurse gemacht und die Männergruppe geleitet. Er berichtete, dass Sarah, die Frau von Rolf, also Sörens Vater, schwer gestürzt ist und im Bett liegt. Sie hatte vor ca 6 Jahren einen Schlaganfall, von dem sie sich körperlich einigermaßen aber geistig nicht wirklich erholt hat. Hinzu kommt, dass Josef (Heike kennt ihn), der mit seiner Frau Renata, die Nachfolge in Aham angetreten hat, Krebs hat und im Krankenhaus liegt. Da auch Sören durch den Bruch mit Aham ausfällt, ist das Schiff derzeit fast führungslos. Ich mach mir Gedanken, ob es weiter geht und auch wie. Da Aham eine Stiftung ist, wird das ganze Anwesen nicht vererbt, sondern in die Hände der Gemeinde bzw. des Staates fallen, wenn es nicht weiter den Stiftungszweck erfüllt. Der Abend mit Bertin war ansonsten sehr lebendig und wir hatten lecker gekocht und natürlich guten Wein dazu. Kurze Pause. Jetzt habe ich gerade über eine Stunde mit meiner Freundin Pascale telefoniert, die aktuell das zweite mal mit Corona infiziert ist und sehr genervt zu Hause sitzt. Da sie Single ist, sieht sie niemanden und die Decke fällt ihr auf den Kopf.

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3 Kommentare

  1. Beate sagt:

    ich habe Dein Bedauern über den Januar, der nicht vergehen will, geteilt und ich teile auch das Aufatmen, das Du beschreibst: Ein Lichtstrahl am Horizont, was die Kriegsgefahr angeht und auch die Lockerungen wegen Corona. Und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Du schwer geworden bist, als Du wieder in München angekommen warst. Es war wie ein zweiter Abschied, oder?

  2. Heike sagt:

    Wäre das Aussortieren ohne Trauer, könnte man alles einfach wegwerfen. Das ist ja gerade der Sinn, würde ich meinen. Auch wenn es schwer und unangenehm ist zu trauern: Um wieviel ärmer wären wir, wenn wir NICHTS empfänden? – Dass es über den Schreinerfreund eine Verbindung zu Sören gibt ist sagenhaft. Josef krank? Er hat mir im November JAKOB in Holz angefertigt! Ich glaube, Rolfs Frau hat erst nach Jasmins Tod einem Schlaganfall erlitten. Der Tod eines Kindes ist eine Wahnsinnstrapaze, auch für den Körper. Man könnte auch einfach tot umfallen.

  3. Renate sagt:

    Das du erst im Nachklang die Trauer und Erschöpfung gespürt hast ist verständlich. In Aktion bist du abgelenkt und gibst dem, was eigentlich ansteht, keinen Raum.

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