22-02-22-CoTaBu-Gespräch über „leidigen Trost“- Korrekturlese zum assistierten Suizid

Morgens und abends werde ich von Michi kutschiert, bis die Fahrradsaison kommt. Morgens mit Butterbreze, abends: ein Eimerchen Gekochtes. Ich bin das Kindergartenkind. Wenn wir zusammen speisen gehen schlägt das auf der Waage fürchterlich zu Buche. Da Michaels Tage in der Pension gezählt sind freue ich mich auf noch einen oder zwei Sommer dort. Seine Vermieterin rief ihn an, um scheinheilig zu fragen, ob ER Corona ins Marienstift hineingetragen habe? Und um eine Mieterhöhung anzukündigen. Möglicherweise wird das nicht zu stemmen sein. Woher auch? – Anni wurde heute frei getestet, so ist er mit ihr durch die Gegend gegondelt. – Im Hospiz  war es heute angenehm. Gregor hat jetzt dasgleiche wie ich letzte Woche. Ingrid hat „einen nie gekannten Husten“, Schweiß und Fieber…alles also zum PCR-Test unterwegs. Ich hatte ruhige Stunden und konnte eine Handreichung zum assistierten Suizid der Caritas-Ethikbeauftragten durchlesen, kilometerlang kommentieren und meinen Senf dazu gegeben, das war die Bitte gewesen. Habe ihr geschrieben, sie solle nicht glauben, ich hätte den Verstand verloren. Sie rief dann an, hat sich tausendmal bedankt für meine ausführliche, akribische Rückmeldung mit anekdotischer Unterfütterung. Ich konnte ihr sagen, wo ich Schwächen sehe, was fehlt und wer dieses Pamphlet niemals lesen wird. In einigen Punkten stimmt sie überein. Dann ein prima Gespräch mit dem Sohn des Kinderarztes, Psychiater in Berlin. Ausgerechnet sein Vater, religiös tief eingewurzelt, sträubt sich nun gegen jeden Trost, geht NICHT zuversichtlich seinen Weg; hadert, fühlt sich verlassen. Am WE hatte ich erstmals nach Simons Tod meine Fachzeitschrift wieder geöffnet und hochinteressante Artikel über „den leidigen Trost“ gelesen, diese Unart, Untröstlichkeit nicht zu ertragen. Ein solch interessantes Gegenüber für eines meiner Leib- und Magenthemen! Morgen bringe ich ihm das Themenheft TROST mit. Ein H. Luther wird zitiert mit ungeheuerlichen Aussagen über den Tod! – Derweil hat die Welt gerade ein ganz anderes, gewaltiges Problem!

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3 Antworten

  1. Renate sagt:

    Dann doch lieber das Gekochte im Eimerchen…. Es bleibt zu hoffen dass sich Ingrid nicht das Virus eingefangen hat, auchn wenn die Symptome danach klingen. Dann gibt selbst tiefer Glaube manchen Menschen nicht die Kraft, den Weg des Sterbens ruhig und gelassen zu gehen, in der Gewissheit auf das was sie erwartet. Es heißt wer fest verwurzelt ist im Glauben begegnet dem Tod ohne Angst.

  2. Beate sagt:

    Die Vermieterin von Michael bekommt den Kragen nicht voll. Sehr unsympathisch. Wie erleichternd, dass Anni Corona überstanden hat und schon einen Spaziergang machen kann. und Du schöpfst aus den langen Jahren Berufung , schreibst, hast viel zu sagen, wo doch die meisten Menschen sprachlos dastehen oder hilflosen Unsinn reden

  3. Ines sagt:

    Hoffentlich können wir Michis Garten auch noch das ein oder andere mal genießen. Mieterhöhung in diesen Zeiten sind unverschämt. Süß, dein Vergleich mit dem Kindergartenkind, das täglich gebracht, geholt und mit Essen versorgt wird.

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