22-02-23-CoTaBu-Gespräche über Geist + Sprache – innerer Aufbruch

Gregor ist immer noch krank, Corona negativ, ebenso Ingrid. Mit Sonja allein war es teilweise richtig lustig. Ich war bei dem ehemaligen Kinderarzt, mit dessen Sohn ich gestern das Gespräch über „den leidigen Trost“ hatte; hab ihm mein versprochenes Themenheft hochgelegt zur familiären Ansicht. Mein Pluspunkt: dass das kein religiöses Gedudel ist, sondern der Gründer der Gesellschaft, Forscher in diesen Dingen mit Lehrstuhl und Schriftführer Herr Frick ist, Jesuitenpater, aber auch Psychiater. Ein Arzt unter Ärzten genießt Respekt. Später dann kam die Ehefrau, ihrerseits ärztliche Psychotherapeutin. Die Familie kennt Pisarkski, darüber hatte ich mit der Frau schon vor der Aufnahme gesprochen. Sie hat die Seelsorgeausbildung noch bei ihm gemacht!, ein Jahr nach dem Tod ihres ältesten Sohnes, damals 8-jährig. Eine feinsinnige Frau; ein interessanter, aber pingeliger Patient, ein wenig zwanghaft. Seine größte Sorge, beinahe eine fixe Idee: dass man seine geistigen Ausfälle nicht einordnen oder gegen ihn auslegen könnte. Während er nicht müde wird, diesen Geisteszustand zu erklären, verliert er sich auch und gerade dabei! Sowohl dem Patienten als auch seiner Frau hat – glaube ich – gefallen, dass ich gesagt habe, es träfe alle Altersgruppen, noch nie aber hätten wir ein schliches Gemüt mit dieser Diagnose betreut, (fast) IMMER seien es hochintelligente, durchgeistigte Menschen gewesen, die gerade mit dem Verstand eines ihrer höchsten Güter verlieren. Einer unserer ersten war einst ein junger Physiker. Der letzte der Künstlerphilosoph mit dem Mehrfachleben. Alles Geistesmenschen. Wer bei uns arbeitet lernt, dass es nicht „das Schlimmste“ gibt. Jede Diagnose hat ihre eigene Tragik. – Ich bin dieser Tage ganz im Hospiz und doch schon in die Zukunft hinein beschwingt, ein für mich faszinierender Zustand!

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3 Antworten

  1. Ines sagt:

    Welche Diagnose ist das denn, die fast ausschließlich die hochintelligenten Menschen trifft? Für die Angehörigen hast du die passenden Worte und Zugang gefunden. Dein Zustand im Hosoitz mit Vorfreude auf die Zukunft hört sich gut an.

  2. Renate sagt:

    An die Diagnose, die nur hochintelligente Menschen trifft, kann ich mich gerade nicht erinnern. Das war dann wohl ein guter Tag für dich im Hospiz.

    • Heike sagt:

      Ich dachte, aus dem Zusammenhang sei es überdeutlich geworden, ich wollte kein Ratespiel veranstalten. Wenn es um den Verlust des Verstandes, des Geistes, der Sprache usw. geht und es fast immer um Menschen geht, die genau an dieser Stelle ihr Höchtstes verorten ist es natürlich der Hirntumor, das Glioblastom.

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