22-02-25-CoTaBu- Aufnahmeirrsinn + Haiku-Hybrid im überfüllten Raum

Gestern habe ich Bachblüten gebraucht. Eine Warteliste bis zum Mond und eine so schwere Entscheidung. Vier Anläufe mit entsprechenden Mehrfachtelefonaten. Jemand rief genau im richtigen Moment an; dann aber war alles zu unklar, der Arztbrief asbachuralt, die Aussagen schwammig, die Tochter eher ein Fall für die Nervenklinik, nur ungewiss überlastungsbedingt. Eine junge Frau (GH), wieder mit Hirntumor (siehe eure Kommentare von gestern!), aber derart schwer führbar, jeder Hilfestellung abhold, bei minutenlangen Krampfanfällen Weigerung gegen jedes Medikament. Wie könnten wir das jetzt bewältigen? Das halbe Haus mit Hirntumor, die auf eine 1:1 Pflege hinauslaufen können, dauernd loswollen, stürzen, sich gefährden. Dann jemand, der „unbedingt“ zu uns will (wer nicht!), schon als Notar das Haus gut kenne (sicher lukrativ), immer schon gespendet hat (wenn ich das schon höre!), Nese von der Palli hat mich entsprechend aufgestachelt; die Frau säße aufgetakelt am Bett, nach Hause? AUF KEINEN FALL! Extrem affin an die Chafarztetage. Letztlich habe ich doch die Ehefrau angerufen: Nein, Prof Schlemmer habe ihr gestern versprochen, ihr Mann dürfe bleiben, als Selbstzahler. Nachher wurde mir das Gegenteil mitgeteilt, aber ich habe inzwischen jemand anders platziert. Am liebsten würde ich uns die PatientInnen (und Angehörigen!) selber stricken. – Abends Haikukreis. Yuko schrieb, mein Bild und Ton (bei Zoom) sei schlecht, ob ich ins Präsenztreffen kommen könnte. Hybrid gestern weniger desaströs als andere Male. Durch meine jüngste Lektüre habe ich verstanden, dass diese Diskussionen nach jahrhundertealter Tradition integraler Bestandteil der Sache sind (Yuko sagt, die Dichter früher hätten bis zu Handgreiflichkeiten diskutiert!) und ertrage sie besser. Leider sind einige gestörte Personen dabei, die sich sehr laut behaupten wollen; wir sind also nicht weit entfernt davon, dass es ausarten könnte. Vorher hatte ich mich mit einer 84-jährigen Teilnehmerin getroffen. Hinterher fuhr ich mit ihr, einer anderen echten Schreckensgestalt und dem über 90-jährigen Ulrich Trambahn. Ein langer Tag. Dann wieder diese Nachrichten.

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4 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Deine Beschreibungen der Patienten samt Angehörige und die Haiku-Truppe ähneln sich ein wenig. Du musst Haiku-Kunst sehr lieben, wenn du dir freiwillig diese nach deiner Beschreibung erheblich gestörten Menschen antust. Dass ausgerechnet die Patienten mit Hirntumor die am aufwändisten zu betreuenden sind, wusste ich nicht.

    • Heike sagt:

      Nein, so ist das auch nicht. Manchmal ist es so; andere sind auf andere Weisen aufwändig. Nur die, die sich für die am allerkränkesten halten, das sind die mit Pankreaskrebs, sind quasi unversehrt, klar im Kopf, ohne Wundversorgung usw., höchstens Übelkeit. Denken aber immer, es sei das Schlimmste. Bei den Hirntumorpatienten KANN es sein, dass sie pausenlos Betreuung und „Aufsicht“ brauchen.

  2. Beate sagt:

    kann es sein, dass viele, die dem Tod nah ist und Krebs haben denken, dass Ihr Leiden das schlimmste ist?

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