22-03-04-CoTaBu-„Unter Freunden“, vorwiegend in English + kleine Fackel
Gestern habe ich bei Frau Rosenrot Osterglöckchen und Schlüsselblumen in Töpfchen gekauft. Ich mag kein Gelb, aber im Frühling mag ich es; japanische Zierkirschenzweige und einen Kranz mit Mimosen, Federchen und Moos. Michael brachte Wasser, weil die Brunnen erst an Ostern öffnen. Um 17:30 haben wir uns getroffen. Als Special Guest diesmal nur Beate, wir waren also unter uns. Gregor war vorher allein gegangen. Meine ukrainische Nachbarin hatte mir ein geweihtes Kerzenbündel geschenkt, als Simon starb. Bisher lag es für eine besondere Gelegenheit bei mir, gestern aber brannte es als kleine Fackel neben dem Räucherwerk. Arvo Pärt vom Handy. „Sprich zu mir…“ – der Text. Nachher haben wir – Michi nur kurz, es ist nichts für ihn – mit Emilian, Jonas, Manu (mit Hundchen im Strickkleid) und Adrian im Ruffini mit Aperol angestoßen und ausgiebigst gespeist. Um 21.15 bin ich gegangen, es war dann genug. Wir sprechen nicht (mehr) über alte Zeiten, irgendwann ist alles gesagt; eher Aktuelles. Ich hatte gestern im Rahmen erster hospizlicher Räumaktionen unter schachtelweise sinnreichen Texten, die ich für vieltausenderler Zwecke angesammelt hatte, Bildern, einlaminierten Zeitungsausschnitten, Fotos zu Themen wie „Atem“, „Hände“, „Gebet“, „Pause“, „Diskretio“ u.v.m., ein Foto von Simons Hand gefunden, die eine Schachfigur aufgreift. Die Hand „denkt“ über den nächsten Zug nach. Das habe ich Emilian gezeigt. Er hat ja das griechische Schachspiel „geerbt“ – das einzige, was er regelmäßig sorgfältig abstaubt, wie er sagt. Der ließ es dann rumgehen. Jakob nannte das Bild ein Kunstwerk. Anna kannte als einzige Simon nicht. Sie ist aufgeschlossen und so ging es gut zusammen. Adrian und ich sprechen nicht so prächtig Englisch, haben es trotzdem erfolgreich praktiziert. Die Worte, nach denen ich suche, wissen die anderen oft auch nicht. Gut genug beherrsche ich es um zu wissen: Der Vorschlag trifft nicht haargenau, was ich meine. – Ich bin sehr glücklich, dass wir zusammengekommen sind.
Auch, wenn ihr nicht mehr über die alten Zeiten redet, so ist es doch eine Truppe, die sich wegen Simon versammelt hat und deshalb ist er auf eine Art dabei. Das Grab sieht richtig farbenfroh und etwas verspielt aus. Danke für die Fotos. Durch deine Schwiegertochter wirst du noch richtig geübt in englischer Kommunikation.
Der federleichte Kranz an Simons Grabstein ist sehr schön. Du, im Kreise seiner treuen Freunde und mit Jakob, wie eine Mutter mit ihrer Kinderschar. Das Foto mit Simons Hand habe ich vor Augen.