22-05-03-CoTaBu-Privat zuckerfrei – kollektiv und gedanklich im Krieg

Strahlend schöner Sonnensamstagmorgen. Eigentlich wollte ich von der abartigen Behördenszenerie beim Abholen meines neuen Führerscheins berichten. Dass ich endlich mein Telefonat mit Frick hatte. Dass ich gestern bereits drei Tage ohne ein Gramm Zucker hinter mir hatte und ausgerechnet jetzt die Schokolade fand, die mir Renate an Weihnachten geschenkt und die ich mehrfach intensiv gesucht hatte. Jetzt lag sie in genau der Schublade, die ich schon fünfmal deshalb durchwühlt hatte. Sie liegt immer noch. Zuckerlos, das wollte ich geschrieben haben, verändert sich die gesamte Bedürfnislage. Über derlei zu schreiben, nachzudenken, ist abartig angesichts des drohenden Hungers für Millionen Menschen – die natürlich immer schon hungern, aber jetzt gerade anderswo, es rückt nah – angesichts der bereits eingetretenen und drohenden Katastrophen, angesichts dessen, dass Putin möglicherweise in Kauf nimmt, selbst mit unterzugehen, wenn er nur möglichst viel seiner feindlichen Welt mit in den Abgrund reißt. Auf ihn soll bereits ein Kopfgeld von 1 Mio Dollar ausgesetzt sein. Bei den ungenügend ausgerüsteten russischen Soldaten, so höre ich auf der Suche nach aktuellen Nachrichten gerade einen General a.D. sprechen, könnte es sich möglicherweise schlecht auf die Kampfmoral auswirken, dass sie in eine „Übung“ geschickt wurden und jetzt brutal Krieg führen sollen. Eben habe ich gelesen von einer Menschenkette vom ukrainischen bis zum russischen Konsulat. Ich würde gerne gehen, allerdings sind wir in Berg bei einer Dame angemeldet, die Keramik in japanischer Tradition herstellt und werden dort um 11.15 erwartet. Dann evtl. Buchheimmuseum. Der Kontrast mutet an wie Beates Shoppingtour. Aber dieser Ausflug ist ganz auf Anna  ausgerichtet, die ja auch selber wunderschönes Porzellan macht. Aber ihr ist – als Polin – auch der Krieg sehr nah. Leben als wenn nichts wäre? Selber leben, als sei der Krieg schon bei uns? Eine Gratwanderung.

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3 Antworten

  1. Ines sagt:

    Einer Schokolade zu widerstehen, die so verführerisch in der Schublade liegt, ist nicht einfach. Am besten versteckst du sie gut. Ganz auf Zucker verzichten, mache ich nicht. Zum Frühstück gibt’s trotzdem Honig und Marmelade. Ich finde das Leben und Denken angesichts des Leids auch eine Gratwanderung. Die eigenen Probleme und Vorhaben sind dagegen so banal, aber trotzdem da und wollen angegangen werden.

  2. Renate sagt:

    Die Menschenkette hat sich, so wurde berichtet, in einer halben Stunde aufgelöst. Wie umgehen mit dieser Situation? Verzicht hilft den Menschen in der Ukraine auch nicht. Dein Leben, unser Leben geht zumindest für den Moment „normal“ weiter und dazu gehört auch kein Zucker und das Buchheim Museum.

  3. Beate sagt:

    Die Gratwanderung kenne ich auch, große Besorgnis, erschüttert sein und daneben steigen wieder die Zahlen der Coronainfektionen und daneben bewältigen wir unseren Alltag, weil das auch wichtig ist. Putin einfach umbringen dürfte nich einfach sein. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Menschen sich das wünschen, dass er einfach weg ist. Aus, Sense…

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