22-04-01-CoTaBu-Übernachtungsgast Jakob und Herr Diemer als Begleiter für meinen Scheideweg

1. April und es schneit! Gerade ist Jakob abgefahren. Hatte gestern abend unheimlich strukturiert, gezielt, mit ruhigen Bewegungen das Bett auseinander genommen, Vorbereitungen getroffen. Er sagte, er sei durch eine gute Schule gegangen. Meint Michael damit. Nach dem Frühstück hat er Carla geholt, eingeladen, sogar der Lattenrost (das einizige, weswegen es einen Leihwagen braucht) hat in den Lift gepasst. Hat alles allein eingeladen (ich bin schon vom Zuschauen oder Liftaufhalten erledigt), fährt jetzt zu Michael für die anderen Sachen. Dorthin kommt Jonas, der macht mit ihm die Tour und astet alles in der Arcisstraße in den vierten Stock. Beide frisch Corona genesen, auch nicht das Wahre. Gestern Abend beim Grosswirt zu dritt gespeist. Dann war ich erstmals nach über einem halben Jahr bei Herrn Diemer. Er kannte mich noch nicht verheiratet, mit abgeschnittenem Zopf auf der Ziellinie meines Berufslebens. Er nimmt Letzteres sehr ernst. Es war wohltuend, nicht das oft gehörte „ach, das ist ja toll“ oder „und was machst du dann? Reisen?!“ zu hören. KEINE Projektionen und ein Höchstmaß an Bewusstsein für diesen Scheideweg. Er würde für ein Coaching plädieren, aber das will ich nicht. Eigentlich war ich mit Herrn Loth nach meiner Art gut bedient. Dann aber hat er – das ist indiskret von mir – diese eineinhalb Stunden über seine soeben überstandene ProstataOP gesprochen und ich hatte nicht den Mut, zu intervenieren, voller Verständnis für sein Trauma. Aber das war mir zuviel, auch wenn seine „therapeutischen Geschichten“ wie bei Meister Erickson selber sicher eigenen Wert haben. Jedenfalls brauche ich davon Pause. Es sollte eindeutig sein, wer wessen Therapeut ist. Da ich nicht die einzige bin, die zu ihm geht, weiß ich, dass ich auch nicht die einzige bin, die diese Dinge angehört hat. Ich möchte nicht, dass jemand „schlecht über ihn denkt“; vertraue es einfach nur diesem Tagebuch an.

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4 Antworten

  1. Ines sagt:

    Ich kann mir genau vorstellen, wie überlegt und ruhig Jakob an die ganze Umzugsaktion heran geht. In der Arcisstraße gibt es dann wohl keinen Lift. Von deinen Berichten hatte ich eigentlich eine gute Meinung von Herrn Loth und von Herrn Diemer sowieso. In einer Psychoanalyse würde das, was durch die letzte Stunde in der Beziehung zu Herrn Loth passiert ist, auf den Tisch kommen.

    • Heike sagt:

      Ich glaube, es sollte auch in der Hypno auf den Tisch kommen und damit hoffentlich aus der Welt geschafft sein. Aber mir ist danach nach Pause. Ist auch ok.

  2. Renate sagt:

    Nach einer überstandenen Coronaerkrankung gleich Möbel schleppen ist wahrscheinlich nur jungen Menschen möglich. Dass ein Therapeut von seinen eigenen Problemen erzählt ist menschlich verständlich, professionell ist es nicht.

  3. Beate sagt:

    in den vielen Jahren, in denen ich auf der Couch lag, hat mein Psychoanalytiker nie über sich ein Sterbenswörtchen verlauten lassen. Ich war dann sehr seltsam berührt und befangen, als er mal im Ruffini mit seiner Frau am Nebentisch saß. Toll, wie geordnet und organisiert Jakob die Möbel transportiert!

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