10 Minuten negativ, Brief von Rolf, Ausflug zum Volkstheater
Ungefähr 10 Minuten lang wusste ich, wie es sich anfühlen wird, ein negatives Schnelltestergebnis zu haben. Tatsächlich erschien auf dem Teststreifen heute zunächst nur ein Strich. Ich merkte plötzlich eine Überforderung, jetzt wieder unter die normalen, gesunden Menschen zu gehen. Im Geiste machte ich schon eine Liste, was ich alles erledigen muss von Bett beziehen, Lebensmittel einkaufen, Bibliothek etc. Dann erschien, ganz blass, ein zweiter Strich und ich wusste, dass ich noch einen Tag Ausnahmezustand geschenkt bekommen habe. Gleich lehnte ich mich zurück in mein Bett und las ganze 2 Stunden in meinem Buch. Ganz schön verrückt. Irgendwann aufgestanden, Kleider und Hosen anprobiert. Ähnlich wie Renate neulich, fiel mir ein Alterungssprung an meinem Spiegelbild auf, insbesondere der faltige Bauch war etwas abschreckend. Die Haut ist durch die Gewichtsabnahme jetzt noch weniger straff als vorher. Ab einem gewissen Alter ist Dünnsein nicht automatisch attraktiv, dass weiß ich ja eh schon, aber trotzdem gibt es in meinem Hirn eine Verknüpfung von beiden Eigenschaften. Was mich sehr gefreut hat, war ein Brief von Rolf. Ich hatte ihm neulich geschrieben und wählte eine Karte von Paula Modersohn-Becker mit dem Motiv einer alten Bäuerin, die die Hände vor der Brust kreuzt. Ich liebe das Bild sehr und war entzückt, dass Rolf sich überschwänglich dafür bedankte, für die Worte, aber auch für die Karte. Er schrieb, dass er mit Urmila in jungen Jahren eine Reise nach Worpswede gemacht habe, wo Paula gelebt hatte und wie sehr ihn Bild anrühre. Dann schrieb er noch, dass er immer dachte, er hätte nur Söhne und dass er in mir seinem Gefühl nach eine Tochter dazu gewonnen habe. Sein Brief hat ich den ganzen Tag beschwingt. Am Nachmittag habe ich dann meinen nächsten Ausflug in die weite Welt gewagt. Ziel war das Volkstheater, das ca 20 Gehminuten von uns entfernt ist. Ich wollte Fotos machen und ein Programm besorgen, welches ich für einen Geschenkgutschein verwenden will, für eine Freundin, die mich zu ihrem 60. Geburtstag eingeladen hat. Der Hinweg lief noch ganz geschmeidig. Der Rückweg dagegen wurde sehr lang. Meine Füße waren heiß und ich schwitzte stark, kam mir vor, als hätte ich eine 4 stündige Bergtour hinter mir. Uff. Jetzt bin ich wieder daheim und hab mich schon wieder ins Bett verkrümelt.
Ja, ein zweiter Strich heißt positiv, auch wenn es nach Abschwächung aussieht. Schön, die Verknüpfung von Paula M.B. mit deinem Schwiegervater und seiner Freude an dir. Wäre ein altersmäßig fortgeschrittener Bauch, insbesondere nach Abnehmen, straff wie ein jugendlicher, wäre dies unnatürlich bis hin zu unheimlich und wäre allenfalls operariv und mit Einspritzungen zu erreichen. Trotzdem schade. Für alle Menschen.
Mach langsam, wie bei Heike kommentiert. Der Sprung von positiv auf negativ ist mit zwiespältigen Gefühlen verbunden. Die Tücken des Abnehmens, dünner dafür faltiger.
Schön, dass Du Rolf eine große Freude gemacht hast! Die Reise nach Worpswede war für ihn sicher sehr eindrucksvoll! Ist er auch Künstler, wie Urmilla? Nach der längeren Zeit zuhause ist so ein Spaziergang ganz schön anstrengend- das merke ich bis heute.