22-04-25-CoTaBu-Tags aufwärts, per Rentenschrieb abwärts + Mensch sein

Heute im Hospiz ein durchaus arbeitsreicher Tag. Stimmung gut. Leider – für die Natur gottlob – im Regen heimgelatscht. Das kommt normal nicht vor, verwöhnt wie ich bin. Michael bei sich gebunden, wo es durch die Decke tropft. Im Briefkasten: Schreiben der Rentenversicherung. Die angekündigten vier Seiten sind zwölf. Je eher ich mitarbeite, desto größer die Chancen…so ungefähr. Egal, was alles schon vorgelegt war: alles muss neu her. Viele Fragen wie schon x-mal beantwortet. Wieder ein Irrtum? Betreffen diese Fragen mich vielleicht nicht? Gott sei Dank hat Michael heute für sich UND mich Tavor geordert. Ich verzweifle noch. Eigentlich wurde mir telefonisch angekündigt, es ginge darum, meinem Arbeitgeber zu gestatten, über die letzten zu erwartenden Gehälter Auskunft zu geben. Ich könnte kotzen. Ich will anrufen, mir alles zurückschicken lassen und dann den Termin, den man angeblich so leicht bekommt, und ganz von vorne anfangen. Welch ein Irrsinn!! – Heute auf dem Weg zur Arbeit unser vervollständigtes, bis ins letzte ausgefeilte Palliativprotokoll bei Michael unterschrieben, der es dann zu Dr. Schnur und zum Pflegedienstleiter zur Unterschrift brachte. Nun ist das Pflegepersonal „noch offizieller“ von Fütter-, Kontroll- und Wiegezwang entbunden u.v.m.. – Jetzt verziehe ich mich mit Familie Joad zu den Früchten des Zorns, wo es ums echte Überleben geht: um Hunger, Gewalt, Unterdrückung und Familie. Ich bin die Mutter. Hoffentlich bald nicht mehr nur Ölkuchen, Rosasharn braucht schließlich Milch, wo doch bald ihr Kleines kommt, und ein Mann, wo arbeitet, braucht Fleisch. Gerade pflücke ich Baumwolle. Und vergesse in meiner Parallelwelt Verzweiflung und Wut in der Rolle der Bittstellerin, in die mich diese Drecksrente drängt. Hier bin ich Mensch. Hier darf ich`s sein!

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3 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Hört das nie auf mit der Rentenbeantragung! Es ist absurd. Ich würde auch versuchen, einen persönlichen Termin auszumachen.

  2. Beate sagt:

    Da kann ich mich ja auf was gefasst machen, wenn ich mit der Rente an der Reihe bin. So ein Irrsinn! Und Du bist nicht die Einzige, die mit dem Schwachsinn gesargnageült wird. Ich höre dergleichen von Vielen

    • Heike sagt:

      Das erleichtert mich! Ich habe nämlich dergleichen noch nie gehört! Das muss zu Zeiten gewesen sein, zu denen man einen Termin bekommen hat. Anders als die Berlinerin sagt war dies eben coronabedingt hier nicht möglich. Ich muss es nochmal versuchen. Entwürdigend, zermürbend, absurd.

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