Schon wieder Urlaub und ein konsequentes Sterben
Es ist Samstag und ich schreibe schon heute, da ich morgen früh bereits auf der Autobahn Richtung Italien bin. Der Kurztrip zum Gardasee an Ostern ist zwar noch nicht lange her, so dass ich es fast zu früh finde, schon wieder in den Urlaub zu fahren, aber so hatte wir es Ende letzten Jahres geplant. Wir werden an zwei Standorten in den Marken jeweils eine ländliche Unterkunft haben, einmal im Norden der Marken, einmal im Süden in Meernähe und danach noch nach Umbrien fahren in die Nähe vom Trasimeno See. Heute bereits alles gepackt und vorbereitet, Nachbarin hat Instruktion für Blumen gießen, etc. Was ist letzte Woche geschehen? Am Montag Abend kam der Anruf von Sören, dass Urmila gestorben ist. Er war einen Tag vorher für 2 Stunden bei ihm am Krankenhausbett gesessen und konnte ganz frei und versöhnlich mit ihr sein. Sie war zwar nicht mehr richtig bei Bewusstsein, aber es war anscheinend ein friedlicher Abschied, über den er und auch alle, die die Beziehung der beiden kannten, glücklich sind. Er sagte zu mir, es sei wieder Raum für die Liebe gewesen. Jetzt bleibt es an ihm hängen, die übervolle, Messi-Wohnung aufzulösen, in der alles nach dem jahrelangen Rauch der Zigaretten riecht, die sie dort geraucht hat. Ich hatte ihm angeboten, ihm zu helfen, allerdings bin ich jetzt erst mal im Urlaub. Aber er ist über jede Hilfe froh, fühlt sich überfordert, diese Aufgabe alleine zu stemmen. Es wird wahrscheinlich einige Monate dauern, bis das Chaos gesichtet ist. Die Wohnung ist ja auch übervoll mit Bildern, die Urmila in ihrem Leben gemalt hat. Angeblich hat sie irgendwo noch ein Original von Gerhard Richter, ob das stimmt, weiß man nicht. Sie hatte immer vor, ihre Sachen zu ordnen, hat es aber, wie so viele, nicht geschafft. Zum Glück ist auf ihrem Konto ausreichend Geld, so dass die Wohnung noch einige Zeit gemietet werden kann. Im Zusammenhang mit ihrem Tod habe ich mehrmals mit Sören und auch mit Rolf telefoniert, bin so eine Art Vermittlerin, eine Rolle, die ich ganz gut kenne. Mir liegt viel an der Beziehung zu Rolf, scheinbar liegt ihm auch viel an mir. Ich finde es zwar schade, dass ich mich nicht mehr von Urmila verabschieden konnte, aber bin gleichzeitig froh, dass ihr ein langer Leidensweg erspart blieb. Irgendwie hat sie das Sterben sehr konsequent durchgezogen, wenn man das so sagen kann. Alles andere will ich mir nicht ausmalen.
Dass ihr „schon wieder“ urlauben müsst, dafür muss ich dich nicht bedauern, du selbst drückst es aus. Es ist ja nicht so einfach heutzutage, spontan zu entscheiden. Die Zeit allerdings jetzt ist herrlich! – Sehr berührend, was du über Mutter und Sohn Urmila und Sören schreibst. Es ist ein Segen, dass der Tod alles wenigstens vorübergehend in ein milderes, sanftes Licht taucht. Eine Messiewohnung zu räumen ist furchtbar. Da gibt es auch Dienste….das wisst ihr? Allerdings sollte man den Richter vorher gefunden haben.