22-07-23-Anna fehlt, dafür 27-jährige Ergotherapeutin – neue Medikamente – Musiknacht und erste Abschiede

Wie immer, wenn ich mich hinsetze, Zweifel und Unlust, das Wochenprogramm vollkommen ungenügend zu rekapitulieren. Ich ersehne den Zeitpunkt des Austauschs  diesbezüglich. – Montag: Aetas-Gruppe; dezimiert wegen Corona und Depression; Thema Füße, ziemlich lustig; zum Teil draußen auf der Terrasse. Dienstag erfahren, dass die 27-jährige Ergotherapeutin übernimmt. Ich habe per Mail solange auf sie mit cc an Therese eingeprügelt, bis sie wenigstens nicht mehr in der naseweisen, altklugen „nach-vorne-schau-alles gut“- Haltung antrat. Allerdings: Sie erschien maximal hohl, unerfahren und versucht mit Dauerlächeln darüber hinwegzutäuschen, dass sie Null Plan hat. Wie sollte sie auch? Alle waren halbwegs anständig, aber hinterher gings los. Soll ich jetzt mit „dem Madel“ meine Probleme besprechen oder was? Donnerstag Abschied bei Therese im Rahmen einer Veranstaltung im Ambulanten Hospiz. Ich bin nah zu ihr hingegangen und habe geflüstert: Wenn wir allein wären, würde ich dich erwürgen. Nachher ein kleiner Akt für Bettina und mich; Bettina geht, weil alle verzweifeln bei Therese – sie zieht die Konsequenz. Als sie ihre sanfte, seelenvolle Ansprache gehalten hatte standen wir wie Feuer und Wasser nebeneinander. Ich hab mir kein Blatt vor den Mund genommen. Einige kamen hinterher zu mir, um mir dafür Respekt zu zollen, Sympathie zu bekunden und zu bedauern, dass wir uns erst jetzt kennenlernten. Die Kolleginnen aus dem Ambulanten sagten, als wir kurz unter uns waren, wäre ich mehr in ihrer Runde gewesen, wäre es mit ihrer miesen Entwicklung nie soweit gekommen. Das ist doch was! Mit Therese kann ich dann wider Erwarten doch wieder lachen (sie sagt dann: Genau dafür liebe ich dich!). Inzwischen halte ich es für gewollt, dass eine Null aufs Hospiz angesetzt wird, die man dann programmieren kann. Hinterher beim geselligen Teil inspirierende Gespräche über Ruhestände. Ich hatte von den deplatzierten, ungebetenen und für mich so langweiligen, berechenbaren Ratschlägen gesprochen. Da kamen tolle, sehr wahrhaftige Resonanzen. U.a. hat diese Woche der Provinzial von einer missglückten Ruheständlerin gesprochen. Sowas mag ich, es hilft mir. Im Gegensatz dazu faseln mir manche die Ohren voll mit ihren Kursen, dem Vorteil des Ausschlafens und der Notwendigkeit des Loslassens. – Anna also fehlte die zweite Woche. Wäre ich coronakrank, aber negativ: ich glaube, ich hätte mich zur letzten (bzw. ersten) Gruppe reintragen lassen. Verena mit ihrem eingemeisselten Lächeln hatte keinen Zeitplan für Herbst dabei, obwohl ich ihr das geraten hatte, ganz zu schweigen von einem Konzept, für das ich ihr Raum gelassen hatte. Sie ist angeblich auch nicht gefragt worden, sondern wird von Therese abgeordnet und hat nicht die leiseste Ahnung, was auf sie zukommt. „Sie wollte schon immer dahin“, sie „wurde gerufen“ (von ihrer Tante Therese), es hat sie irgendwohin gezogen und irgendwie zurück…und „wir wollen ganz ehrlich miteinander umgehen, ja?“ (Nachdem ich ihr gemailt hatte, dass niemand nach diesem Zirkus, bis zum letzten Tag hingehalten zu werden, bei uns tun muss als hätte er irgendwas im Griff und dass sie auch keinen Anschein wahren muss, denn bei uns wurde offen von Missachtung gesprochen. Sie hatte es seit Donnerstag der Vorwoche gewusst, aber anstatt es mir unverzüglich mitzuteilen noch fünfmal darüber geschnarcht. Therese hat diesbezüglich nichtmal den Telefonhörer in die Hand genommen. Verena bietet der Gruppe das Du an, wird weiter gesiezt. Ich fand mich wahnsinnig milde und wuchs, nachdem ich mir vorher Luft gemacht hatte, über mich hinaus; Gregor aber fand, sie hätte nichts als eine eiskalte Wand zu spüren bekommen. Ich kann es nicht ändern. Dass Therese weder eine Mitteilung macht noch mitkommt, sondern ihren Zögling ins blanke Messer laufen lässt: Wer hätte darauf kommen können? So sehr ich sie lieb-hasse: Immerhin stellt sie was dar. – Ich müsste mir langsam überlegen, was ich nächsten Freitag sagen soll, wenn mein Moment gekommen ist. Stattdessen räume und räume ich, alles was ich aus dem Hospiz nach Hause schleppe. – Gestern Nacht der Musik in St. Laurentius. Ukrainisch, türkisch, Oberton…leider halte ich nicht eine Nacht lang durch. Nette Begegnungen, eine vom Ambulanten Hosiz , die gleich losgelegt hat über die Entwickung dort. – Diese Woche Medikamentenumstellung auf dreifache Dosis, ich vertrage aber die Kombi nicht, Ausschlag, Beinkrämpfe, außerdem bei Asthma kontraindiziert. – Schwimmen trotz Blase aufgenommen, wenigstens ab und zu.

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Eine Antwort

  1. Ines sagt:

    Viel ist in Bewegung bei dir. Ich bin gespannt, wie es dir nach nächstem Freitag gehen wird. 27 Jahre ist wirklich blutjung für die Hospizarbeit. Eine ganze Nacht würde ich niemals durchhalten, keine Frage des Alters.

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