22-07-31-Juli- Abschied: vor dem realen der offizielle, Katerstimmung + räumen, räumen, räumen

Wieder diese Überforderung. Wie soll ich diese Woche in einen Text packen? Ob mir Aufregungen wie der Freitag künftig erspart bleiben? Jetzt, wo es vorbei ist, fallen mir lauter Dinge ein, die ich hätte erwähnen müssen, Menschen, die ich hätte nennen und denen ich hätte danken müssen. Ich habe auch nicht alles gesagt, was ich aufgeschrieben hatte und dafür anderes, was nicht auf Papier stand. Es war, als dürfte ich nur noch ein einziges Mal sprechen, Henkersmahlzeit-ähnlich, bezogen auf Worte – und dann nie wieder. Helga hat mir mittags die Haare geschnitten, gekleidet war ich mit dem textilen Geschenk der Ehrenamtlichen. Jetzt kommen „nur noch“ die letzten Tage. Hier räume, räume und räume ich, wo und wie soll ich nur all das beherbergen, was ich in den letzten Wochen aus dem Hospiz heimgeschleppt habe? Jetzt kommen noch ein paar ganz „normale“ Arbeitstage und als letzter Akt am Donnerstag ein Totengedenken, zu dem ich die Angehörigen der letzten Monate eingeladen und nur zwei Zusagen bekommen habe, aber teilweise sehr nette Rückmeldungen. Viele sind gerade auf ein paar Tage verreist. Andi wird spielen, Gregor, Anna, Ingrid, evtl. Conny und Sonja werden dasein, vielleicht fällt es noch jemandem ein. Ich finde den Abschluss gut. Da alles nur auf Freitag zugelaufen ist bin ich auch ein wenig leer. Gregor hatte ein Riesensommerfest organisiert, richtiges Catering mit Bedienung, Zelte wegen der Wetterunsicherheit; Musik. Als gerade alle etwas angedudelt im Foyer waren, teils tanzend, kamen die Bestatter gegen Mitternacht und bahnten sich mit dem Sarg eine Schneise durch die kleine Schar, etwas skurril. Die vorher bis zuletzt extrem zugewandte, stets exzessiv manisch fröhliche und sehr alternative Verstorbene hätte, so schien uns, gerade noch fröhlich ihre Hand zum Gruß aus dem Sarg strecken können. Ich finde meine Alben grandios und kostbar, auch wenn es sie zu jedem Abschied gibt, freue mich aufrichtig darüber. Auch sie haben eine Wandlung vollzogen. Kaum mehr fertige Sprüche, Aphorismen und Weisheiten, eher Briefchen, teils in kleinen Umschlägen, ganz besondere Bastelarbeiten. – Habe wochenlang keine Zeile mehr gelesen und könnte bald den Faden wieder aufnehmen. Vermutlich erst „hinterher“ ab Freitag. Mit Tavor muss jetzt Schluss sein. Immerhin hat es mich davor bewahrt, in Tränen auszubrechen vor versammelter Mann- bzw. Frauschaft. Jakob hat mich vorhin auf einen Sprung besucht und nahm Bezug auf die Passage mit Dodo, was die Skizze meines persönlichen bzw. beruflichen – denn das ist bei mir nicht zu trennen – WerdeGangs betraf. Mir fiel in den letzten Tagen und Wochen ein, dass horoskopisch bei mir das Ich, der Beruf, Freundschaften und die Sonne – wie auch immer – so gelagert sind, dass die Verwirklichung meiner Selbst untrennbar mit dem Beruf verbunden ist. Zehntes Haus? Was also werde ich sein, was wird von mir übrig bleiben? Auf diese Frage  – wenn möglich – bitte keine zuversichtlichen Prognosen. Ich trauere und wünsche, darin gesehen und gewürdigt zu werden, bis von selber, von innen her, etwas aufkeimt. Übrigens beginnt auch, Erleichterung sich zu regen.

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3 Kommentare

  1. Beate sagt:

    Dein letzter Satz lässt hoffen! Ach, so soll die Erleichterung Raum einnehmen in diesem Sommer und zunehmend mehr und mehr! Der Abschied vom Arbeitsleben ist ein schwerer- das zeigen Deine inneren und äußeren Konflikte damit schon seit einiger Zeit. Ich bin auch im Club…

  2. Renate sagt:

    Hinterher fällt einem immer noch etwas ein, was zu sagen gewesen wäre. Deine Rede war gut und ausgewogen. Das Fest im wahrsten Sinne feucht-fröhlich und das Buffet mehr als üppig. Schick warst du mit neuer Frisur und dem kreativ gebundenen Tuch deiner Ehrenamtlichen. Die vielen Dinge aus deinem Büro bei dir zu Hause unterzubringen, eine Herausforderung und eine Platzfrage. Jedes Teil ein Abschied.

  3. Ines sagt:

    Ich hatte nicht gewusst, dass deine große Abschiedsfeier im Hospiz am Freitag war. Ein rauschenden Fest inklusive einer fröhlichen Verstorbenen. Davon musst du noch mehr erzählen und auch Fotos zeigen. Was meinst du mit der Passage mit Dodo? Ich werde mich zurückhalten und keine zuversichtlichen Prognosen für deine Zukunft abgeben. Aber ich hoffe, ich kann an deinem Übergang in das neue Leben und den Antworten, die du für dich findest, Anteil nehmen.

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