Nach dem Klinikaufenthalt
Am Dienstag war mein letzter Tag in Scheidegg. „Wir hatten hier kein Wellness“, sagte eine Mitpatientin etwas enttäuscht, wie mir schien, zu mir zum Abschied. Sie war von allen sehr hofiert worden, unglaublich elegant gekleidet, adelig und vornehm. Ich hatte ihre Gesellschaft weniger gesucht, sie war mir zu sehr „Madam“. Viele junge Leute waren da, zwischen zwanzig und fünfunddreißig Jahre alt. Ich habe meine“Frei“-Zeit überwiegend allein verbracht, am schönen Waldsee. Täglich schwimmen im Moorwasser: großartig! Ab und an bin ich mit einer aus meiner Therapiegruppe an schöne Plätze am Bodensee und in der Umgebung gefahren, um dort die herrliche Umgebung zu genießen. Ein umfangreiches Sportprogramm, Waldbaden, Tanztherapie und viele tolle Angebote: ich habe sie alle genützt und mich zunehmend gestärkt gefühlt. Zuhause angekommen, wundere ich mich nun, dass ich mich so ausgelaugt fühle. Energetisch total down. Von allem Möglichen genervt. Eher schlecht gelaunt. Überfordert, dass ich einkaufen, waschen, aufräumen muss. Die Vorhaben, einen Pass zu besorgen, die Formulare, die ich für meine Wohnung für das Landesamt für Statistik ausfüllen muss, der Termin für die Mammographie. Alles lästig. Einziger Lichtblick: die Arbeit. ich bin zwar krank geschrieben, habe aber jeden Tag gearbeitet, heute eine längere Videokonferenz, in der wir unter Anderem den Herbst besprochen haben. Was fange ich nur mit mir an, wenn die Arbeit aufhört. In Scheidegg und auch jetzt zuhause spüre ich so deutlich wie schon lange nicht, wie sehr ich mich über diesen Teil meines Lebens definiere.
Wem sagst/schreibst du das (letzteres)!? Und ja, auch das kommt mir nicht unbekannt vor. „Erholung“ hat oft keinen Depoteffekt und das anschließende Ausgesetztsein alledem, was das Leben verlangt, ist hinterher umso radikaler. Nur eines: den Mammografietermin würde ich wegschmeißen, es wird durchaus kontrovers diskutiert, ob der Schaden nicht den Nutzen übertrifft.
Das Programm mit Tanztherapie und Waldbaden würde mir auch gefallen. Zudem hattest du Glück mit dem Wetter und konntest baden gehen. Ich glaube, der Effekt der Kur wird langfristig anhalten, auch, wenn du aktuell vom Wiedereinstieg in den Alltag kaputt bist.
Der Effekt deiner Kur wird sich noch einstellen. Das Ankommen im Alltag, mit all seinen lästigen Pflichten, ist nach der Auszeit, schwierig. Wie ein fremdeln in der eigenen Wohnung. Das Programm in Scheidegg finde ich auch toll.