Neue (Alltags-)Erfahrungen

Seit ich aus Scheidegg zurück bin, spüre ich Gefühle, die vorher nicht da waren. Ich erkläre es mir so, dass durch diese sechs Wochen eine Distanz zu meinem Alltag entstanden ist, die mich Altvertrautes neu bewerten lässt. Da ist die Aufregung um und mit der Arbeit. Alltäglich ein Druck, der mich durch den Tag peitscht, bloß nichts vergessen, täglich ein Plan mit verschiedenen Aufgaben und dann die Unzufriedenheit, wenn nicht alle Punkte abgearbeitet werden konnten. (was bin ich langsam geworden!…), und dann die Kälte, die die Gänge in der Landeszentrale lang kraucht, wie bei Harry Potter, wenn die eisigen Nebelschwaden daher kommen. Eigentlich wäre ich in dieser Woche mit Janni in London gewesen, sie hätte ihr Geburtstagsgeschenk eingelöst, wir hätten die Trauer um die Königin hautnah miterlebt. Warum ich sie bat, dass wir erst im Winter nach London fahren werden, hatte den Grund, dass ich einen Berg Arbeit auf dem Schreibtisch habe. Dann bekam ich spontan Besuch von Suzanne, die einen Termin im Lenbachhaus wahrnehmen wollte. Wir saßen an einem Nachmittag lange mit Karin und Heinz im Ella. Alle miteinander kenne ich aus Berlin, aus der Hausbesetzerszene. Aus Karin ist eine Schriftstellerin geworden , sie hat unter anderen das Buch „Aufprall“ geschrieben, das mich lange beschäftigt hat. Heinz ist Soziologieprofessor. Ganz gegen meine Erwartungen habe ich weder angespannt noch schweigend am Tisch gesessen. Es war eine Begegnung, die viel in mir bewegt hat. Über die Scham wegen meiner Berliner Vergangenheit hat sich ein Schleier der Versöhnung gelegt. Und als Karin mir ihre Visitenkarte gab, konnte ich mir gut vorstellen, dass ich mich bei meinem nächsten Termin in Berlin bei ihr melden werde. Das Wochenende begann dann sehr schön: Heike zu Besuch! Frühstück, vorlesen. Balsam. Viel zu kurz!

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3 Kommentare

  1. Heike sagt:

    Die Perspektive auf das Beruflliche – darüber haben wir gesprochen – ändert sich gefährlich mit wachsendem Abstand – allein die sinnlich wahrgenommene frostige Atmosphäre. Nicht von ungefähr habe ich meinen Entschluss unmittelbar nach Urlaub letztes Jahr ausgesprochen. Wie erst nach 6 Wochen! Schade irgendwie, dass ihr London verschieben musstet! Leider hat die Aussicht auf Charles mit Krone etwas leicht Skurriles.

  2. Renate sagt:

    Du wusstest nicht, vom Tod der Queen, als du eure Reise verschoben hast. Ich finde es fast einen Segen, nicht, in die ohnehin immer volle Stadt, reisen zu müssen.

  3. Ines sagt:

    Jetzt in London zu sein, ist was für eingefleischte Fans der Royals. Sei froh, dass ihr die Reise verschoben habt. Und deine Arbeit, die dir früher so gefallen hat, siehst du jetzt ganz anders! Ist der Druck, der dich durch den Tag peitscht ( heftiges Bild) selbst gemacht oder bekommst du Druck von außen? Unzufriedenheit, wenn Listen nicht abgearbeitet sind, kenn ich auch, das ist dann aber etwas Selbstauferlegtes.

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