„Fine Dining“ im Frankenland

Die Woche verlief von Montag bis Donnerstag ohne Höhen und Tiefen, viele Routinen und normale Arbeit. Wobei arbeitsmäßig ein richtiger Lichtblick durch einen neuen ärztlichen Kollegen besteht, der trotz jungen Alters mit viel Erfahrung zu uns gekommen ist und sich sehr schnell in unser Team integriert hat. Mit ihm hatte ich jetzt schon einige Kinder zur Diagnostik und die Fallgespräche mit ihm sind anregend, da er manchmal eine andere Sichtweise mitbringt, die uns alte Hasen, die schon ewig diese Arbeit machen, aus ihrer routinierten Diagnostik ein Stück weit herausholt. Am Freitag holte mich Hubert von der Arbeit ab und wir fuhren ins Wochenende nach Franken, um dort neben der Erkundung der Gegend an einem „Fine Dining“ mit Weinverkostung bei einem Winzer, dessen Wein wir öfter trinken, teilzunehmen. Das war die Einlösung eines Geschenkgutscheins zu meinem Geburtstag. Zunächst fuhren wir in einen Ort namens Ohrenbach, um dort in einem Landgasthof einzuchecken. Der Ort und die Unterkunft waren wie aus einer anderen Zeit,  erinnerten eher an die ehemalige DDR, recht schmucklos und einfach. Aber die Gastleute waren nett und das Zimmer pickobello. Am ersten Abend fuhren wir herum und waren ganz erstaunt, dass diese Gegend zu Bayern gehört, denn es sah so anders aus als bei uns in Oberbayern. Am Abend im Landgasthof Schäufele und Sauerbraten gegessen und früh ins Bett. Samstags wachten wir bei strömendem Regen und Eiseskälte auf. Dick eingepackt ging es zunächst in die bekannte Stadt Rothenburg ob der Tauber, die trotz des mäßigen Wetters wirklich sehr romantisch und wunderschön ist. Zum Glück waren wegen der Kälte nicht so viele Touristen unterwegs, ansonsten wird der Ort schnell von amerikanischen und anderen Touristen aus aller Welt bevölkert. Mittags haben wir noch einen Abstecher nach Iphofen gemacht, auch ein Ort, der uns über eine Winzerin bekannt ist, wo Hubert öfter Wein bestellt. Überraschenderweise auch ein sehr hübscher alter Ort mit lauter bunt gestrichenen Häusern, viel Fachwerk und überall Wein und Winzerbetriebe. Nach einem Schläfchen in unserem Landhotel haben wir uns dann  für unser 11-Gänge Menü am Abend schön gemacht, das eigentliche Geschenk. Wir wurden mit einem Shuttlebus abgeholt und  in einem modernen und zum Glück schön beheizten Raum in einem Ort namens Simmershofen empfangen. Mit uns war noch eine kleine Gruppe von 4 Personen bei dem Essen dabei und wir hatten eine Bedienung, die uns den ganzen Abend zur Verfügung stand, so dass es eine sehr persönliche Atmosphäre war. Zu jedem Gang, zu dem der Koch kurz heraus kam und das Gericht vorstellte, gab es den passenden Wein. Jeder Gang war ein kleines Kunstwerk und eine Geschmacksexplosion im Mund, Fotos davon sind heute noch in meinem whatsapp-Status zu sehen. So fein hab ich noch nie gegessen. Insgesamt 5 Stunden haben wir auf höchstem Niveau gespeist. Auch wenn die Portionen mini-klein waren, so ist das Fassungsvermögen des Magens begrenzt. Nach den Nachtischen war ich richtig abgefüllt und unser Shuttlebus fuhr uns wieder in den Gasthof. Natürlich war die Nacht mit so gefüllten Bäuchen nicht besonders gut, aber das war mir vorher schon klar. Heute nach dem Frühstück gings heim. Obwohl wir nur ein kurzes Wochenende weg waren, kommt es mir vor wie ein längerer Urlaub, so viele Eindrücke. Heute nur noch Auspacken, Wäsche und Überweisungen etc. Ich finde, der Herbst ist ohne Vorwarnung gekommen. Ich bin noch nicht auf die Kälte eingestellt und hadere noch damit. Werde evt mal meine Wintersachen begutachten und schauen, was davon ist noch behalten will.  

Für dich vielleicht ebenfalls interessant …

3 Antworten

  1. Renate sagt:

    Dass du von 11 Gängen satt geworden bist erstaunt nicht, auch wenn die Portionen, wie in deinem Status gesehen, übersichtlich waren. Franken hat sehr nette kleine Städtchen. An dieses extrem kalte Wetter habe ich mich auch noch nicht gewöhnt. Ging dermaßen rasant von 26 auf 10 Grad.

  2. Heike sagt:

    Eure Kurzreise zeigt in erster Linie faszinierend auf, wie unterschiedlich Menschen desselben Kulturkreises unterwegs sein können. Bei dir klingt – trotz der Kälte – Freude durch. Für mich wäre es vermutlich furchtbar gewesen, der Shuttle, die zusammengewürfelte Gesellschaft, ohweh! Elf Gänge für deinen Minimagen! Wein muss eine Expertenwelt für sich zu sein, von der ich keine Ahnung habe und so war dieses Geschenk auch eines an Hubert! Dein neuer Kollege – eine Freude!

  3. Beate sagt:

    dann wart ihr in Mittelfranken? Da gibt es das Schäufle. Wobei ich den Wein eher in Unterfranken sehe. Mich hat Euere Route richtig neugierig gemacht!!!!
    So lange Menüs finde ich so furchtbar anstrengend wegen der langen Zeit, die man da sitzen muss.
    Gratulation zum neuen Kollegen!

Schreibe einen Kommentar zu Renate Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert