22-09-28-Neuanfang und Orientierungsphase: September bei Erinnerungsfülle an Glück und Leid

Heute ist Mittwoch, ein Tag vor Abreise Richtung Frankfurt und dann Hückeswagen. Ich bin gerade verzagt. Diese Kälte, dieser Regen, diese Gräue! „Eigentlich“ ist und waren es doch gute Tage! Schreibgruppe inspirierend und angenehm in Renates wohlgeordnetem, geschmackvollen Heim. Jakob und Annas Rückkehr aus ihrem Athen-Arbeits-Aufenthalt, Einkehr im Ö-Eins, nachdem ich mit Renate das Chanten im Pelkovenschlössl ausprobiert habe. Erwartungsgemäß hat jedes Angebot einen kleinen Haken. So ist es beim Seniorensingen in der Seidlvilla ein wenig auf Kindergartenniveau und Begriffstutzigkeit ausgerichtet, aber musikalisch etwas anspruchsvoller mit Stimmarbeit, Noten, Mehrstimmigkeit, Umgebung super. Beim Chanten ist die Örtlichkeit auch ansprechend, gut erreichbar, die Atmosphäre nett bis  esoterisch, die „Chefin“ geradezu herzlich, kindlich euphorisch, kann aber kaum singen, vertut sich im Rhythmus und schult nicht die Stimme, offenbar auch nicht die eigene. Aber unkompliziert, freudig, freundlich, die ein oder andere Dame rockt und tänzelt dann beseelt durch den Raum. Gestern eine sehr intensive Behandlung durch meinen kostbaren Herrn Diemer, davor Halterung fürs Handy bei Mediamarkt gekauft. Unser Navy ist schon jahrelang funktionsuntüchtig und ohne werde ich nie mein Ziel erreichen; danach Mittagsmahl vietnamesisch bei Beate mit anschließender Fußkraullese. Hmhmhm. Das einzige Manko: Wenn wir es uns dergestalt bequem machen schlafe ich beim Lesen ein und verpasse Einiges. Heute wollte ich nachmittags einen „Kunstraum“ betreten, wo man sich – ohne Anleitung – einmal wöchentlich trifft und werkt. Das wäre eine interessante Möglichkeit, sich selbst Zeit und Raum zu schaffen für die Dinge, die zu Hause nie drankommen. Jetzt saut es aber draußen und nachmittags käme ich ins Gedränge, weil ich dann zu einem Kaffeeklatsch bei Frau Dr. Aiblinger eingeladen bin. Was meine neuen Ordnungssysteme betrifft sinkt mir der Mut. Für so Manches finde ich keine Kategorien; ich habe unendlich Plastikhüllen (!) jeder Art bestellt, unterteilt in zwei, vier und neun Abteilungen sowie in drei Quertaschen – für all das, was ich mehrfach habe und manchmal zu Schreibgruppen mitnehme. Aber nach Tagen, Wochen vergeht mir langsam die Lust und mir scheint, ich werde niemals mehr fertig. Im Grunde möchte ich, statt bis zum letzten Moment ratlos vor all diesem Zeug zu sitzen, langsam seelisch umsteigen. Koffer rausholen, packen, mich auf das Symposium einstellen und auf Dodo, die ja in einem neuen Zuhause wohnt. Sie hat in ihrer neuen Wohnung (da denke ich natürlich an Ines!) ein Zimmer incl. Bad ganz für sich allein, darin darf ich dann schlafen. Ich hoffe, auch ihr Mann hat sowas für sich, damit jeder seinen Platz hat, nicht nur ich. Ich freu mich darauf, war sicher an die sieben, acht Jahre nicht mehr bei ihr. Gesehen habe ich sie höchstens mal für kurz in München, aber auch das ist lange her. Irgendwann nach Simons Tod, wo ich sie dann – wenn ich an ihr Gesicht denke – am Grab befremdet habe, als ich nicht das gezeigt habe, was sie von mir erwartet hat. Ich weiß das noch gut, weil ich ja selber oft nicht wusste, wie mir geschah. – Vorhin hat ein Postbote geklingelt. Gott sei Dank war ich daheim, sonst dürfte ich wegen der Sendung in irgendeiner Filiale Schlange stehen. Meine Kolleginnen (Sonja oder Anna?) haben mir kommentarlos Werbematerial von Vivat hinterhergeschickt, unfrankiert, sodass ich noch Strafporto geblecht habe. Mir stieß immer auf, dass Sonja NULL Prioritäten setzte und jeden Scheiß mit derselben Dringlichkeit an mich herantrug. Das jetzt fasse ich regelrecht als Affront auf. Ich habe scheißfreundlich an beide gemailt, auch nachgefragt, mich erklärt, warum sie nichts hören und gebeten, derartigen Papiermüll ab sofort einfach zu entsorgen. Spinn‘ ich?! – Der September mit all seinen bedeutsamen Eckpfeilern ist fast überstanden, zudem der erste Ruhestandsmonat. Ich konstatiere bei insgesamt guter Stimmung, dass ich ruhig etwas weniger tun und machen sollte.

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2 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Das mit dem Nachsenden der Werbung ist echt unverschämt. Wenn sie unsicher gewesen waren, hätten sie doch mal nachfragen können. Wie du deine beiden Chöre beschreibst ist herrlich lustig zu lesen. Vielleicht findest du ja noch einen mit der perfekten Schnittmenge. Schön, dass du so viel ausprobierst und jetzt schon wieder auf Reisen gehst. Dagegen komme ich mir arg eingerostet vor.

  2. Renate sagt:

    Das Chanten in Moosach bildet die Stimme wahrlich nicht, da ist es der Spaß an der Freude, die richtigen Töne zu treffen. Dein Wunsch nach einem Ordnungssystem war schon immer groß. Bei der Menge an Papier, die du hast, eine große Aufgabe. Die Nachsendung von Vivat Werbezeug finde ich auch unmöglich. Ich kann mich nur an die kleinen Kataloge erinnern, die alles mögliche Religiöse und Esoterische anbieten. Eine Mail an dich wäre kein großer Akt gewesen. Interessante Tage in Hückeswagen wünsche ich dir.

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