22-10-04-Der glücklichste Mensch nach Poesietherapie und Dodo trotz Zahnhölle und blöden Exkolleginnen

Ich nehme vorweg: Soooo glücklich könnte ich zurückgekommen sein, wenn mich nicht schon seit der Abreise latent Zahn- bzw. Kieferschmerzen geplagt hätten, die inzwischen so eskalieren, dass ich heute einen Notfalltermin bei Dr. Eder ausmachen musste, von dem ich aber nach einigem Warten voll Unruhe und Unbehagen geflohen bin. Ungewiss, wer mich behandeln würde steigerte sich meine Angst. Ich halte mich also mit Schmerzmitteln über Wasser, gehe morgen zu einem anderen hier in Gern, voll Angst und Grausen, dass mir der halbe Kiefer amputiert werden könnte! – Bei der Rückkehr gestern Abend fand ich sage und schreibe einen Brief, per PC geschrieben und von Sonja und Anna unterschrieben, mit 5,00€ Erstattung meiner Unkosten und ein paar Zeilen dummem Blabla, zuckersüß. Jetzt können sie mich endgültig kreuzweise!

Dennoch: Ich blicke auf Tage puren Glücks zurück, eingerahmt von meinen Einkehren bei Dodo auf dem Hin- und  Herweg voller Traulichkeit, Händchenhalten, endlosem Gespräch mit und ohne ihren Mann, der übrigens wie sie auch ein Zimmer für sich hat, in dem er sich beschäftigt. In der Wohnung habe ich mich mehrfach verlaufen, bis zum Ankleidezimmer ist alles da, „mein“ Bad allein so groß wie anderswo für eine ganze Familie. Zwei Küchen, Ess- und Wohnzimmer getrennt, riesige Balkone mit allen Möglichkeiten, nirgendwo muss an Metern gespart werden, ausladende Gänge mit wahnsinnig viel Stauraum – das ist natürlich alles nicht so wichtig. Einmal hat sich Wolfgang seine Sehnsucht nach Vorlesen erfüllt und wir haben gelauscht, einmal ich umgekehrt, wobei er eingerüsselt ist und Dodo ganz Ohr war. Sie leben sehr etabliert, aber locker, anders als es ihre adelige Erziehung war, die ich als Kind miterlebt habe. Jeder macht, was er will. Das Frühstück, das sie mit mir unter der Decke eingenommen hätte, war dann doch am Tisch, weil ich schon in Aufbruchsstimmung war. So nah und kuschelig, so warm und herzlich, so unkompliziert und frei: Wir haben erkannt, wie recht wir als Kinder miteinander hatten!

Dazwischen die Tage Poesie- und Bibliotherapie (und der Vollständigkleit halber: Biografiearbeit) zum Thema „Nature Writing“, ein Traum! Unter lauter Sprachliebenden wie ein Fisch im Wasser, mit Vortrag eines Philosophieprofessors Jürgen Goldstein und einer Lesung von Marion Poschmann, Workshops: „Inspiration grün – Text und Gestaltung“ (Kalligrafie) und zum Lesen in Gruppen, so meine schwere Auswahl, abends nochmal eine Präsentation, am Sonntag Vortrag des altehrwürdigen Hilarion Petzold; auch die greise Begründerin und Pionierin der Poesietherapie in Deutschland (die natürlich nicht richtig anerkannt ist), Ilse Orth, zugegen, alles zusammen so erfüllend, so schillernd, so spannend, dass ich nicht wüsste, wann ich je ein interessanteres Symposium besucht und genossen hätte. Ich bin inspiriert durch und durch und diesmal, dort wohl erstmals, hat sich eine kleine Gruppe Einzelner aus dem bayrischen Raum eingefunden und wer weiß, vielleicht bekommen wir den ein oder anderen kleinen Kreis zustande. Ich bin der glücklichste Mensch. Entgegen allen Vorhaben habe ich wieder Bücher gekauft. Wie hätte ich dieser entrückten, poetischen Marion Poschmann widerstehen sollen! Statt mich all meinen drängenden Vorhaben zu widmen musste ich heute bereits ihre „Hundenovelle“ im Bett auslesen. Zur Farbe Blau hat der Philosoph geschrieben…welche Abweichungen von meinem zwingend notwendigen „eigentlichen“ Leseprogramm! Übrigens war das Tagungshaus Hückeswagen direkt am See, traumhaft, was über Etagenduschen und ein WC für mindestens zehn Leute hinweggetröstet hat.

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3 Antworten

  1. Renate sagt:

    Zahnschmerzen haben dir deine große Freude vorübergehend vermiest. Hoffentlich konnte dir der Gerner Zahnarzt helfen. Deine Beschreibung vom Zusammensein mit Dodo und der Tage in Hückeswagen sprühen nur so vor Glück. Es wäre schön für dich wenn sich ein bayerischer Kreis finden würde. Menschen, die, wie du für die Literatur und das Schreiben brennen. Weniger schön dieser Brief von Anna und Sonja.

  2. Ines sagt:

    Deine Begeisterung über das Symposium klingt aus jeder Zeile und aus jedem Wort. Wie freue ich mich für dich. Wenn sich jetzt noch ein kleiner süddeutscher Kreis daraus bilden würde, wäre das natürlich noch ein Sahnehäubchen. Und die Begegnung mit Dodo, so vertraut und schön, trotz der großen Abstände, die ihr hattet, nicht nur wegen der Distanz zwischen euren Wohnorten. Inzwischen ist der Zahnschmerz hoffentlich behoben. Wie sehr ich das nachfühlen kann. In dem Fall geht nichts über einen Zahnarzt, dem man sich vertrauensvoll in die Hände legt.

  3. Beate sagt:

    Wie schön ist es, Deine Zeilen zu lesen! In der Hinwendung zu Schreiben und Lesen zu baden. Bibliotherapie, ein großes, spannendes Thema, das ja auch schon Thema in den Münchener Maibegegnungen war- ein roter Faden in Deiner Beschäftigung mit Literatur. Und dann der Besuch bei Dodo- ich ahne, wie erfüllt Du zurückgekehrt bist! Hoffentlich ist das Zahnproblem bald behoben!

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