22-10-10-Himmelhochjauchzend – zu Tode betrübt: zwei Invaliden auf Krücken

Wenn ich schonmal beim Kommentieren bin mache ich gleich weiter. Ich weiß nicht mehr, wie genau ich mich über Michaels AchillesVersenRiss ausgelassen habe. Jedenfalls ist er seit seinen Arztbesuchen mit diesem Riesenstiefel und Krücken eigentlich noch mehr gehandikapt. So war meine große Stunde nicht nur gekommen, sondern dehnte sich  bis hin zum Fußbad, bis hin zum Putzen und zum Schleppen von Wäsche und natürlich kocht es sich auch besser mit zwei Händen und Füßen. Als ich gestern eigentlich nachmittags schon für eine kleine Abwechslung zu mir fahren wollte und nur noch einen allerletzten Gang unter vielen in die Waschküche getan habe, segelte ich die zwei Treppen runter, Michael stand oben und hat es quasi wie in Zeitlupe gesehen. Bind und rasend vor Schmerzen – ich war mit dem rechten Fuß so umgeknickt, dass die Rist zuunterst geklappt war, (immerhin habe ich mir nicht den Kopf oder Rücken verletzt, Michael sagte, ich hätte auch tot sein können)….nach einiger Zeit konnte ich mich unter Mörderschmerzen irgendwie in Sitzposition bringen, dann ebenso mit Michaels Hilfe (man stelle sich die groteske Lage vor) auf einen Hocker zwischen Klo und Waschküche und dann kam schon der Sanka und hat mich liegend nach Schwabing gebracht. Röntgen. Bänderriss mit Knochenabsplitterung, Schmerzmittel, Salbe und, da die Orthese nicht passte, eine Art Gipsschiene mit Verband. Mir geht es wie Michael: Die Schiene schmerzt und drückt jetzt mehr als die arme Außensehne, quetscht nicht nur den Riesenbluterguss und die eiergroße Schwellung ein, sondern zwingt den Fuß evtl. in Fehlstellung. In einigen Tagen soll ich zum Orthopäden, der soll mich dann an ein MRT überweisen, ich soll mich – wie Michael – mit Heparin spritzen (wie aber komme ich da überall hin?! Woher nehmen, ohne beim Hausarzt aufzumarschieren?). Bei uns beiden sind jeweils ca. sechs Wochen veranschlagt. Ich übe also Krückenlaufen und Michael mit seinem unvergleichlichen Gemüt sagt: Das ist jetzt einfach so. Jakob ist übrigens in Nizza zu einem inspirierenden Aufenthalt im Rahmen eines Stipendiums, bietet natürlich an, zurückzukommen. Aber das will ich nicht. Es wäre zu schade. Wir behalten uns das noch vor, falls alle Stricke reißen.

So treten meine täglichen Kunstwerke in den Hintergrund, die Freude an meinen neuen Brushpens – gestern zuletzt ausprobiert – an den neuen Konvertern und Patronen meiner edlen Füller, mit denen ich Kalligrafieren übe, meine Vorhaben wie Chanten, Singen oder sonstwas liegen jetzt auf Eis und apropos Eis: Es passt ja kein Strumpf über den Klumpfuß, und der ist so kalt, ich werde wohl hauptsächlich ins Bett krabbeln. Michaels Gäste müssen jetzt selber putzen und Betten beziehen, hätte ich bloß gestern alles gemacht und nichts auf heute verschoben! Wäre ich einfach nochmal kurz heimgeradelt! Hätte ich doch bloß nicht nochmal das Flusensieb aus dem Trockner geholt! Wäre Winni gekommen, statt dass ich ….so und so arbeitet es in mir. Noch nie hat Michael Hilfe gebraucht oder angenommen, jetzt das. Mein Zahnproblem konnte nicht ergründet werden, ich bekam etwas zur Linderung, ich soll die Woche zur Zahnreinigung, bevor der Zahnarzt, wie er sagt, „eine Riesenbaustelle eröffnet“, einen Kaffeeklatsch kann ich ohne Weiteres absagen, AETAS-Schnupperkurs am Samstag MUSS/WILL ich machen, hatte schon das letzte Mal wegen Corona abgeblasen. Die Taxifahrer werden sich freuen, wenn sie jeweils wegen ein bis zwei Kilometern gerufen werden.

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3 Kommentare

  1. Beate sagt:

    Oh, das ist alles ganz schön schlimm! Ich hatte vor ein paar Jahren einen ähnlichen Unfall und es dauerte lange, bis ich wieder richtig auf den Beinen war. Aber Du hast „nur“ am Bein eine Verletzung. Ja, es hätte auch richtig schlimm ausgehen können! EeRST MAL ALLES GUTE!!!! Beat

  2. Ines sagt:

    Oh, oh! Vielleicht hast du zu viel gemacht, musst jetzt die Pausetaste drücken. Verrückt, dass ihr beide jetzt einen dicken Fuß habt. Ist echt Mist, aber es hätte durchaus schlimmer kommen können. Der Kopf ist nicht betroffen. Reden, Lesen, Schreiben, Malen geht noch. Dieses zusätzliche MRT kommt mir so überflüssig vor, da die Diagnose über Röntgen schon gestellt wurde. Was hofft man im MRT zu finden? Ich wünsche dir eine schnelle Heilung, liebe Heike.

  3. Renate sagt:

    Ich kann mir den Schmerz vorstellen. Beide mit einer Fußverletzung, wie verrückt ist dass denn. Auch diese Zeit wirst du sinnvoll nutzen, mit all den Dingen, die du liegend oder sitzend sonst auch immer gemacht hast. Dein Zahn wird hoffentlich Ruhe geben. Manchmal kommt es wirklich dick. Alles Gute für euch Beide.

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