Spontaner Besuch

Alina rief an: Am Montag beginnt das Wintersemester – ob sie vorher spontan zu mir kommen könnte? Ob ich am Wochenende was vor habe? Was habe ich mich gefreut! Sie kam schon ziemlich früh am Freitag und wir hatten drei schöne Tage miteinander, Spaziergänge, Müller’sches Volksbad, zusammen kochen und auch viel auf der Couch sitzen und die Welt neu ordnen. Für ihre Welt hat sie einen Plan, der nie der meine war: Viele Kinder bekommen, im Ausland, in Dänemark leben und Kreativität und ein freies Leben vom 8-Stunden-Bürotag führen. Ihre Vorstellungen sind so konkret, dass ich ihr vieles eingestehen muss: Dass ich zwar dem nachgegangen bin, was mich sehr interessierte, dass ich aber auch viele Kompromisse in Berufsleben machen musste. Und Sirena, die es bis in ein Ministerium geschafft hat und neben ihrem Vollzeitjob ein zweites Studium durchzieht– hat sie nicht einen hohen Preis gezahlt?- Und sind denn sie und ich wirklich erfüllt von unserem Leben? Alina legt, seit es sie gibt, gerne den Finger in die Wunde.. Es ist natürlich viel mehr, als ich im Moment darüber schreiben kann und mag. Was bleibt nach ihrer Abfahrt heute mit dem letzten Zug nach Frankfurt, ist dann doch  ein Gefühl von „Moll“.Morgen breche ich nach Prag auf. Drei Tage lang habe ich in der letzten Woche das gemacht, was sonst Brigitte erledigt: Organisationsgeschichten. Brigitte ist mit ihrem Roller gestürzt und der Lenker hat sich in den Bauch gebohrt. Eine Rippe ist verletzt. Ein anderer Kolle hatte auch einen Unfall (hatte ich das nicht schon letztes Mal geschrieben?) ich freue mich auf eine Woche Prag!

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Eine Antwort

  1. Heike sagt:

    Die Frage nach den Lebensfragen, nach Sinn ist eine schwierige. Ich kenne kein Leben ohne Kompromisse. Kinder – gar viele – kann sich Alina vielleicht vorstellen, sie hat ein Leben mit Mann gewählt bzw. bekommen. Es bleiben – mit oder ohne – nicht alle Freiheiten. Ob die Erfüllung eintritt bleibt dahingestellt, da ist die Ödnis eines Alltags noch nicht mitgedacht und ob Familie „gelingt“, wie es das Schicksal mit der Familie meint und was überhaupt „gut“ ist. Ob das Hauptgewicht auf Beruf ein Glück oder Unglück ist liegt im Auge der Betrachterin, es ist Anlage, aber auch Schicksal dabei.

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