22-11-28- Ausufernde, selbstgestellte Aufgaben -1. Advent und „(paarweise) Freundschaften“

Dadurch, dass ich nicht mehr beruflich im Geschirr stehe gibt es für andere Aktivitäten keine Grenze mehr. So doktern wir – unbeschreiblich, diese Fieselei – immer noch am Flyer herum. Das ist nicht vergleichbar mit dem selbstgebastelten Worddokument, das uns schon genug Kopfzerbrechen gemacht hat, in das man aber reintippen oder etwas einfügen kann. Ein Programm, mit dem ich überhaupt nicht zurecht komme; Alexandra, die nicht reagiert, wenn ich sie frage (wobei sich heute ein triftiger Grund herausgestellt hat). Außerdem ufere ich aus, wenn ich Schreibgruppen vorbereite. Da komme ich zum Thema „befreundete Paare“, ohne aber den entscheidenden Punkt zu berühren, wofür ich überhaupt das Wort Freundschaft vergeben würde.

Michael und ich sind für sowas ungeeignet. Er kennt Paare. Die Belgier. Eva und Felix, Eva, die im Sommer ja gestorben ist. André und „Schätzle“, Markus und „Pharao“, die ich schon mag, mit deren Freundeskreis ich aber nur teilweise warm geworden bin. Dass andere Paare kompromissbereiter sind, sogar Charaktere in Kauf nehmen, die absolut inkompatibel sind, sehe ich mit Staunen. Wie oft hört man nach Trennungen: Ach endlich, wir haben ihn/sie nie leiden können, wir konnten es kaum mit ansehen! Gestern waren wir also bei Bärbel (Ehrenamt) und ihrem Peter eingeladen. Es war schön, die beiden in ihrem eigenen Reich zu erleben als warmherzige Gastgeber. Sonja hat im letzten Moment (Gott sei Dank) abgesagt, ebenso Adam, der krank ist. Winni hat überhaupt nicht reagiert, Davor hat sich trotz gezeigtem Interesse doch nicht durchgerungen. So kam Ingrid, deutlich vergrippt, Heike Ritter und ich. Bärbel hat mich schon vor Wochen gefragt, ob ich einverstanden wäre, ihre „besten Freunde“ als Nachrücker kommen zu lassen; sie seien brennend interessiert. So waren wir zu siebt. Den Mann kannte ich schon – sympatisch, lustig und tiefsinnig, dazu eine etwas derbe Frau, die gegen Bärbel stichelte. Für mich wieder ein klarer Kompromiss. Dennoch. Ich habe gelernt, wie das geht. Darüber wird zwangsläufig hinweggelächelt, es wird wie ein Scherz behandelt. Ich würde wahrscheinlich Front machen, aber so habe ich es genommen wie es war. Eine Riesenanforderung an die Toleranz, eine absolutes Tabu, wirklich zu zeigen, wie man denkt und fühlt. Diesen Preis muss man zahlen, so sehe ich es, wenn man paarweise Freundschaften braucht. Eine leise Traurigkeit streift mich, weil wir es ja mit Gregor und seiner Ines zu viert nicht nur versucht, sondern auch passabel hinbekommen haben. Nun aber ist das vorbei. Dabei hatten wir Thomas, der seine Frau dabei haben wollte, die das auch geschätzt hat. Sie wiederum schoß ihre Pfeile gegen ihn ab. Uns anderen gelang es kaum, Thomas‘ Gutmütigkeit zu diesem Verhalten schweigend zu ertragen. Was gestern allerdings glückte: Übers Schreiben gelangten wir alle in tiefe Gewässer, es wurde sehr ernst. Zudem war es adventlich geschmückt und insofern alles gut gelungen. Wie letztes Mal, als ich mein Handy bei Fehlandts im Auto vergaß blieb diesmal mein Schlüssel drin liegen, als Peter mich heimfuhr. So kam er heute früh gleich nochmal. Jakob gestern gottlob zu Hause.

Heute hatte ich schon Zahnreinigung, soll jetzt doch eine neue Krone bekommen. Die Physiotherapeutin fragt, ob ich statt morgen schon heute Abend kommen kann. Jakob war ein paar Tage da und fährt morgen früh wieder. Ich gewöhne mich an die vierfache Dosis Blutdrucksenker, nach Rücksprache mit dem Vertretungsarzt an Blutverdünner, verzichte zunächst auf Cholesterinsenker. Dass das Geschehen im Stammhirn stattgefunden haben soll habe ich inzwischen verstanden.

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4 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Ich hätte gedacht, du schreibst ausführlich über deinen körperlichen Zustand, dabei war der nur einen Satz am Ende dran. Von den vielen Namen der Personen über die du schreibst sind mir nur wenige bekannt. Was ist denn mit Gregor und Ines? Sind sie getrennt? Ich hab beim paarweise Treffen oft das Gefühl, das Gespräch bleibt an der Oberfläche. Einzeln kann man besser in Themen einsteigen. Ja, die Paardynamik des Paares fließt immer mit ein. Toleranz tut dann Not.

  2. Renate sagt:

    Ist es Glück oder Wunscherfüllung gewesen, dass Sonja abgesagt hat? Was da dahintersteckt dass du immer etwas im Auto von den F. vergisst. Paare zu beobachten ist äußerst interessant und am besten sind Atemübungen um nicht zu platzen. Was du über die beiden Frauen schreibst braucht Toleranz und ich weiß nicht, wie so etwas anzusprechen wäre.

  3. Beate sagt:

    Ich kenne von Deinen Bekannten am Tisch ja niemanden außer Michael, kann mir die Situation recht gut vorstellen! Paargeschichten. Nur bedingt erträglich. Wie ist es zu verstehen, dass Du nur so am Rande über Deinen Gesundheitszustand schreibst?

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