Bodenmais, Dampfbier und Frühstückseinladungen

In der letzten Woche war ich im Bayerischen Wald. Bodenmais. Mit mir Sirena und Jania und deren Freundin Naira. Die Teenies auf dem Rücksitz verstanden sich prächtig, was die spürbaren Spannungen zwischen Mutter und Tochter etwas entschärfte. Janni hatte es Silvester wieder krachen lassen und war mit Freunden bis fünf Uhr morgens um die Häuser gezogen (nach einem gehörigen Krach zwei Tage zuvor, wo sie sich auch schon rumgetrieben hatte). Sirena hat einen anderen Erziehungsstil als ich, ist viel strenger, hatte immer die Zügel in der Hand, was jetzt gleichsam obsolet ist. Und nun also Fahrt in meine alte Heimat: ich bin in dieser Gegend aufgewachsen bis ich zehn Jahre alt war. Habe am Arber Skifahren gelernt, bin mit meiner Mutter in den Wäldern und auf den Bergen gewandert, habe den Dialekt der Leute nicht verstanden. In dieser Gegend, die rauh und wild und einsam ist, spüre ich bis heute eine Zugehörigkeit, suche auch immer wieder das Haus am Regen auf, in dem wir gewohnt haben, wenn ich mit Barbara an Elmars Ruhestätte im Friedwald Bad Eisenstein war. So auch diesmal-da habe ich Sirena das Haus gezeigt, den Marktplatz, den Glasladen. Und ich habe Dampfbier gekauft. Die Brauerei Pfeffer, die es schon damals gab, war für mich ein sagenhafter Ort, denn da wohnte der Sohn des Braumeisters, der ab und an auf seinem Pferd den Marktplatz hoch galoppierte. Den wollte ich damals heiraten!

Inzwischen bin ich wieder in München. mein Kollege Alexander feierte gestern seinen 40. Geburtstag im Rigoletto. Es waren haufenweise Familien da, mit engagierten Vätern und sehr kleinen Kindern. Danach war ich platt. Auch heute war ich zu einem Frühstück eingeladen, zusammen mit Gabi und Alexander, bei den jüdischen Freunden von Gabi. Vor genau einem Jahr waren wir in Freising bei Gabi und Alex (ich hatte davon geschrieben). Gerade bin ich von den Kammerspielen zurück. Die Stadt hat mich wieder. Die Arbeit auch! Morgen geht der Arbeitsalltag wieder los. Ich bin sehr froh darüber!

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4 Kommentare

  1. Heike sagt:

    So schöne Wörter – Bodenmais, Dampfbier! Klingt, als hätte sich doch – gottlob – einiges relativiert zwischen den Mädels deiner Familie. Mir geht es immer so im Bayrischen Wald, dass ich die Mentalität so gern mag – falls man dieses Wort noch aussprechen darf (eher wohl nicht). Kammerspiele – müsste ich auch mal wieder.

  2. Ines sagt:

    Ich vergesse immer, dass du im Bayrischen Wald aufgewachsen bist, weil es weder vom Dialekt noch von der Mentalität zu dir passt. Ich verorte dich immer in Penzberg. Das Bild wie der Brauermeistersohn über den Marktplatz galoppiert, ist wie aus einer längst vergangenen Zeit und hat als Mädchen offensichtlich Eindruck hinterlassen. Dampfbier kenne ich gar nicht.

    • Beate sagt:

      ja, diese Zeit ist mir noch gut in Erinnerung. Das Einzige, was nicht so lustig war: ich verstand weder meine Mitschüler noch die Leute überhaupt. Die Sprache war der deutliche Ausdruck dessen, dass ich „in der Fremde“ aufgewachsen bin. Meine Mutter hatte es als Lehrerin, die auch als Organistin in der Kirche die Orgel gespielt hat, etwas leichter…viele Sudetendeutsche sind ja nach dem Krieg nach Bayern gekommen, meine Familie war in Zwiesel eher „exotisch“

  3. Renate sagt:

    Janni erinnert mich stark an meine Tochter. Ein Stress war das während ihrer Pubertät. Dass du im Bayerischen Wald aufgewachsen bist ist mir ebenso neu, wie das Dampfbier.

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