2023-01-15- endlos Räumen – ab jetzt autofrei – Gebet gruppendynamisch und Leben literarisch

Räumen bei Michael seit letztem Sonntag. Mir ist, als bestünde das Leben allein daraus. Heute – wieder Sonntag – mache ich Pause. Später Schreiben bei Beate. Räumen ist, rein mental, so anstrengend und ohne, dass es bereits ans Schleppen ginge, tun uns beiden die Füße dabei so weh, dass wir kaum auftreten können. Seelenbewegungen schlagen sich in den Füßen nieder.

Die Reparatur des Kangoos hätte 2000€ gekostet, wer weiß, was dann. Anlass, das 9 1/2 Jahre alte Auto abzugeben. Es wird ins Ausland verkauft. 1000€ dafür bekommen, ohne weiter nachzufragen. Zeit- und Umwelt gemäße Entscheidung. Jetzt geht’s mit Stattauto los. Nie ist genau dann der Transporter dort zu bekommen, wo wir ihn brauchen. Um das Auto aufzuschließen, es zu zünden oder zu betanken braucht man ein Handbuch. Das einzig verfügbare Fahrzeug in unserer Nähe ein E-Transporter – die Beschreibung unverständlich. So fahren wir kommenden Dienstag zum deutschen Museum, um ein brauchbares Modell abzuholen. Der kurzfristige Umstieg auf Carl und Carla schien unkompliziert, dann aber wurde uns telefonisch abgesagt. Dienstag also Diakonie, falls die – was vorkommen kann – die Nase rümpfen (mit tadellosen Tischen von Möbelum und diversen Pretiosen), direkt zum Sperrmüll (auch säckeweise Gartenabfälle; unsere sind voll, also nochmal zurück, dann neu befüllen und nochmal los? – gerade hat Heikes Mann Säcke aus ihren Beständen bei Michael vorbeigebracht!). Einen Schrank bei Michael zu leeren, damit der in ein anderes Zimmer kann, war unser gestriges Tagewerk, unbeschreiblich. Vorgestern das BüroKabuff. Ich muss vorsichtig sein mit „Ratschlägen“. Außerdem soll ich nicht sauertöpfisch schauen, sondern fröhlich – oder es lassen. Jeden Tag geraten wir uns in die Haare. Wir gehen komplett gegensätzlich vor. Wenn Michael sagt, er macht es schon, widerspreche ich. Dann sähe es nämlich anders aus! Ich denke an die Freude, mit der ihr putzt. Ich glaube, es liegt – unter anderem – daran, dass viele Interessen mit zugehörigem Material gelagert sind. Künstlerbedarf – kostbar, edel – überall Karten, Bilder, feinstes Zeichenpapier, Pinsel, Farben – Werkzeug für alles und jedes, nie auffindbar, weil überall verstreut. Akkordeons, Klarinette, Noten, Fußständer, Mundstücke, Musiktheorie – für mich krass, weil ich schon bei mir nicht zu Potte komme. Habe also heute freigenommen – dafür bei mir weitergemacht, weil schon das ein oder andere zu mir wandert, wo ich es vor dem Chaos „in Sicherheit bringe“, indem ich es dem meinen einverleibe. Solcherart eine Woche lang täglich stundenlang vorgearbeitet konnte gestern Ursula drei Stunden Hand anlegen.

Mein soziales Leben ist vorerst zurück getreten. Es gab auch nur eine „Anfrage“ von Birgitta – Mittwoch im Tribeca. Am Donnerstag Morgengebet. Da ist sie für mich die treibende Kraft. Diesmal blieb ich zum anschließenden Kaffeeklatsch im Gemeinderaum, vor dem ich mich seit Jahrzehnten aus „dienstlichen“ Gründen gedrückt habe. Sehr diverse (Mütter-) Runde von unterschiedlich sympatischen Frauen, in der Minderheit schlicht, dass es wehtut, alles ist – entsprechend Gruppendynamik – typweise vertreten. Die eine, die an Birgitta deligiert, sie soll sich darum kümmerm, dass nächstes Mal was „ganz Besonderes“ gebacken wird, weil Herrn Wilmsens 80. Geburtstag nachgefeiert wird. Birgitta musste alle Vorschläge abwehren als nicht besonders genug oder schonmal dagewesen, sodass sie sich am Ende total schlecht gefühlt hat. Diejenige, die das Besondere will, war vorzeitig gegangen. Es selber zu backen, mehrstöckig, sahnig, großartig, kam wohl nicht in Betracht. Sie will aber die Regie bei diesem anstehenden Geburtstag, ist also offenbar heimliche Chefin, so dröge, langweilig und doof, wie sie ist. Mir ist jetzt schon die Karte peinlich, die sie „in die Hand nimmt“. Es kam auch schon vor – wie fürchte ich mich davor! – dass sie ihre Gitarre zückte (zwei Griffe beherrscht sie; zur Erreichung einer noch so schlichten Harmonie würde ein dritter helfen)! Herr Wilmsen hatte sie damals „gerettet“, als ihr Mann bei einem Unfall starb und sie, hochschwanger, amselben Tag ihren Sohn gebar. Furchtbares Schicksal! Dennoch vergesse ich leider nicht, dass sie zu mir bei Peters Tod spontan als Einziges sagte: „Bei mir war ja alles viel schlimmer“. Herr Wilmsen bat damals einige Frauen, sich um Irene zu „kümmern“. Birgitta tut das bis heute.

Diese Woche 2 x 2 Std. Physio und einmal Orthopäde. Der neue Schmerz: Sehnenscheidenentzündung, möglicherweise durch Fußheber und Zehenkrallen-Übungen.

Folgeromane von Ferrante eingetroffen. Inzwischen querbeet gelesen. Hervorzuheben: Handkes „Versuch über die Müdigkeit“. Sehr lesenwert, teils philosophisch, und zur Abwechslung „richtige“ Literatur.

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3 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Wie doof, dass ausgerechnet jetzt euer Auto den Geist aufgibt. Du sollst laut Michael beim Räumen „fröhlich schauen“, ist lustig, weil schwer vorstellbar. Jedenfalls klingt es nach nach einem mordsmäßigen Aufwand, körperlich und mental. Allein die vielen Entscheidungen zu treffen, was weg kann und was nicht. Räumen ist viel astrengender als Putzen. Diese Frauenrunde in deiner Gemeinde wirkt abschreckend auf mich und irgendwie nicht zeitgemäß. Die Frauen sollen backen und sich kümmern, der Herr ist was Besonderes, der Retter.

  2. Renate sagt:

    Dass ihr jetzt ohne Auto seid kann ich mir gar nicht vorstellen. Aus Erfahrung weiß ich wie gut es ohne geht. Deine Räumstory ist lesenswert, witzig, erschreckend, das Viele das auszusortieren und wegzu -bringen ist. Ich denke noch daran wie du die Sachen aus dem Hospiz in deiner Wohnung unterbringen musstest.

  3. Beate sagt:

    Ich hatte es Dir ja schon am Sonntag angeboten: In meinem Auto kann man zwar weder Schränke noch Sessel transportieren, aber einige Müll- und sonstige Ladungen gehen rein. Das ist alles aber leider erst ein Angebot ab dem 28.1.! Freudlose Tage sind mit diesen Räumaktionen verbunden! Wie schade, dass sich der Termin mit den Gemeindefrauen da eingereiht hat!

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